Saudi-Arabien will 18 iranische Agenten enttarnt haben

Die arabische Tageszeitung „Al-Sharq Al-Awsat“ hatte in der vergangenen Woche von der Verhaftung 18 mutmaßlicher Spione berichtet, die im Auftrag des Iran gehandelt hätten. Nach Angaben des Innenministeriums in Riad handelte es sich um 16 Saudis, einen Libanesen und einen Iraner.

Den Informationen der Zeitung zufolge waren die 18 Männer am vergangenen Wochenende alle im Zuge einer großangelegnten Operation saudischer Sicherheitskräfte zur gleichen Zeit verhaftet worden. Sie seien in den Städten Riad, Mekka, Medina und in der Ost-Provinz, wo ein Großteil der in Saudi-Arabien lebenden Schiiten lebt, festgenommen worden.

Etwa 10 bis 15 Prozent der saudischen Bevölkerung sind Schiiten. In der Ost-Provinz, in der auch die großen Öl-Vorkommen des Landes liegen, und dem benachbarten Königreich Bahrain kommt es seit Beginn des sogenannten Arabischen Frühlings immer wieder zu Protesten von Schiiten gegen die sunnitischen Königshäuser.
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Riad beschuldigt Teheran, die saudischen Schiiten aufzustacheln

Die Behörden beider Länder haben bereits mehrfach behauptet, diese Proteste würden von der schiitischen Führung in Teheran gesteuert. Die Regierung Bahrains schlug die Proteste der eigenen Bevölkerung auch mit militärischer Unterstützung Saudi-Arabiens blutig nieder, ohne dafür von der internationalen Gemeinschaft ernsthafte Konsequenzen zu befürchten.

Nach dem Auffliegen des mutmaßlichen Spionagerings in Saudi-Arabien wehrt sich die iranische Regierung nun heftig gegen den Vorwurf, darin verwickelt zu sein. Arabische Medien entwürfen immer wieder ein solches Szenario, das aber jeder Grundlage entbehre, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Teheran am Sonntag, wie das Staatsfernsehen auf seiner Internetseite berichtete. Der iranische Sprecher kritisierte auch, wie sich die saudische Regierung solchen Meldungen gegenüber verhalte.
Der Sprecher des Innenministeriums Saudi-Arabiens, General Mansur al-Turki, sagte am Donnerstag der saudischen Zeitung „Al-Riyadh“, die Sicherheitsbehörden seines Landes hätten Beweise für eine Verwicklung des Irans in den Spionagering gesammelt. Sie würden während des Prozesses gegen die 18 Verdächtigen vorgelegt. Einige der Verhafteten hätten bereits Geständnisse abgelegt – und bestätigt, dass sie in direktem Kontakt zum iranischen Geheimdienst gestanden hätten.
Aufgrund der wachsenden Spannungen zwischen den beiden Ländern bestellte Teheran am Donnerstag den diplomatischen Geschäftsträger Saudi-Arabiens ein. Die Regierung fordert von dem Diplomaten eine Erklärung, wie die Nachrichtenagentur Mehr am Donnerstag berichtete. Saudi-Arabien hält bislang jedoch an den Anschuldigungen fest. Das Ansehen des Iran ist durch umstrittene politische Haltung der iranischen Führung zu verschiedenen regionalen Konflikten derzeit auf einem Tiefpunkt. (dpa/dtj)