Immer wenn es in der saudischen Außenpolitik um die großen militärischen Fragen geht, tritt ein Mann mit dichtem, dunklem Vollbart vor die Kameras. Auch am Sonntagabend stand Mohammed bin Salman bin Abdulaziz al-Saud in Riad vor Journalisten und schaute wie ein General von oben auf die Reporter vor ihm herab.

Entschiedener Blick, zackiger Ton, knappe Sätze: Wie ein General beantwortete der saudische Verteidigungsminister Fragen zur neuen Militärallianz des Königreichs. Mohammed bin Salman verkaufte ein Bündnis aus 34 überwiegend islamischen Staaten, das er selbst maßgeblich geschmiedet haben dürfte. „Wir werden gegen jede terroristische Gruppe, die vor uns auftaucht, Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung ergreifen“, verkündete er.

Der 30-Jährige ist Verteidigungsminister und Vize-Kronprinz einer Monarchie, die seit Jahrzehnten von greisen Männern regiert wird. Mohammed bin Salman, Sohn des heutigen Königs Salman, verkörpert nicht nur eine neue Generation, sondern gilt auch als kommender Mann in der Monarchie. Seine Worte haben deshalb ein besonderes Gewicht.

Aggressivere Außenpolitik der Golf-Monarchie

Er gilt auch als Architekt einer Außenpolitik, die seit der Machtübernahme seines Vaters im Frühjahr offensiver und aggressiver geworden ist. Unter dem früheren Herrscher war SaudiArabien vor allem bekannt für seine Scheckbuchdiplomatie, mit der sich die ölreiche Monarchie Einfluss kaufte. Unter Salman aber begann Riads Luftwaffe im März gemeinsam mit Verbündeten, Stellungen der schiitischen Huthi-Rebellen im Nachbarland Jemen zu bombardieren.

Das dürfte ebenfalls das Werk des Verteidigungsministers gewesen sein. Als die Angriffe im Jemen starteten, zeigten die königstreuen Sender den jungen Monarchen in der Kommandozentrale. Auch über Mohammed bin Salmans Besuch in Moskau und sein Treffen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin berichteten die saudischen Medien prominent. Der Prinz lächelte, als er neben dem russischen Staatschef stand.

Die neue Außenpolitik ist Riads Antwort darauf, dass sich SaudiArabien als Regionalmacht zunehmend bedroht sieht. Vor allem zwei Gegner macht das sunnitische Königreich dabei aus: die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und den schiitischen Erzrivalen Iran. Der IS hat dem Königreich den Krieg erklärt und ist auf irakischem Gebiet bis an die Grenze der Monarchie herangerückt. Auch in SaudiArabien selbst sind IS-Anhänger aktiv.

Erzrivale Iran

Noch stärker aber richtet sich die saudische Außenpolitik gegen den Iran. Im Jemen kämpfen die saudischen Truppen gegen die schiitischen Huthis, die Riad für enge Verbündete des Irans hält. Auch der starke Einfluss Teherans auf das Bürgerkriegsland Syrien und den Irak stößt in SaudiArabien auf massives Missfallen. In Syrien etwa unterstützt Riad Rebellen, um das mit dem Iran verbündete Regime zu stürzen.

Offiziell soll das neue saudische Bündnis den Terror bekämpfen. Seine Mitglieder sollten „vom Übel aller terroristischen Gruppen und Organisationen ohne Rücksicht auf deren Religion und Ziele“ beschützt werden, erklärte Riad. Es sei weder ein sunnitisches noch ein schiitisches Bündnis, sondern eins gegen den Terror, sagte der saudische Außenminister Adel al-Dschubair. Dennoch kann die Koalition auch als Anti-Iran-Allianz verstanden werden. Dafür spricht, dass wichtige mehrheitlich schiitische Staaten wie der Iran und der Irak, die ebenfalls gegen den IS kämpfen, keine Mitglieder sind.

Unklar ist, was die Allianz praktisch bedeutet. Wird sie eigene Einsatztruppen aufbauen und Offensiven starten? Mohammed bin Salman machte dazu keine Angaben. Mit Sitz in Riad dürfte die Koalition jedoch vor allem dazu dienen, den Einfluss des Königreichs weiter auszubauen. Selbst wenn die Allianz nur eine symbolische Bedeutung haben sollte, kann SaudiArabien nun von sich behaupten, für ein breites „islamisches Bündnis“ zu sprechen. Für den Westen dürfte Riad dadurch kein einfacherer Partner werden – sondern einer, der noch stärker seine eigenen Interessen in der Region durchsetzen will. (dpa/dtj)