Zwei in den Bürgersteig eingelassene Stolpersteine. Sie sollen an die Menschen erinnern, die in die Konzentrationslager der Nationalsozialisten deportiert und dort getötet wurden. Quelle: Reuters
Zwei in den Bürgersteig eingelassene Stolpersteine. Sie sollen an die Menschen erinnern, die in die Konzentrationslager der Nationalsozialisten deportiert und dort getötet wurden. Quelle: Reuters

Israel hat einen Holocaust-Vergleich des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Bezug auf den Konflikt mit den Palästinensern scharf kritisiert. «Ich verurteile in aller Schärfe die antisemitischen Äußerungen Erdoğans, der die Judenvernichtung durch die Nazis mit Israels Vorgehen im Gazastreifen vergleicht», schrieb Außenminister Israel Katz am Dienstagabend auf Twitter. «Wer systematisch Menschenrechte verletzt, die Kurden auf grausame Weise verfolgt und die Terrororganisation Hamas unterstützt, ist der Letzte, der Israel Moral predigen kann. Schäm Dich, Erdoğan!»

Der türkische Regierungschef hatte am Montag vor einem türkisch-amerikanischen Verein in New York gesagt: «So wie wir den Holocaust sehen, so sehen wir die Massaker, die von denen begangen wurden, die Gaza in ein Freiluftgefängnis verwandelt haben.» Präsident Erdoğan hatte Israel schon in der Vergangenheit immer wieder Nazi-Methoden vorgeworfen. Vor der UN-Vollversammlung am Dienstag in New York kritisierte er Israel wegen der Besetzung der Palästinensergebiete. Außerdem warf er dem Land die Verletzung von Menschenrechten vor, äußerte sich da aber deutlich gemäßigter.

„Der, der die Kurden in seinem Land abschlachtet“

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte nach Angaben seines Büros: «Der, der nicht aufhört, über Israel zu lügen, der die Kurden in seinem Land abschlachtet, und das schreckliche Massaker am armenischen Volk leugnet – sollte nicht Israel predigen. Erdoğan, hör auf zu lügen!»

Israel hat 1967 während des Sechstagekrieges unter anderem das Westjordanland und den Gazastreifen erobert. Die israelische Armee hielt den Küstenstreifen über Jahrzehnte besetzt und ließ dort auch Siedlungen errichten. 2005 erfolgte der Abzug der Besatzer. Bei den Wahlen im Jahr darauf erreichte die Hamas die absolute Mehrheit und kontrolliert nach einer gewaltsamen Machtübernahme seit 2007 das Gebiet.

Ägypten unterstützt Blockade des Gazastreifens

Die im Gazastreifen herrschende radikale Hamas wird von der Europäischen Union, Israel und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie erkennt den Staat Israel nicht an und möchte mit Waffengewalt die Gründung eines palästinensischen Staates vorantreiben. Dies äußert sich auch immer wieder im aus Gaza erfolgenden Raketenbeschuss. Israel reagierte mehrmals mit umfassenden Luftangriffen, wodurch vor allem die Bevölkerung zu leiden hat. In der Vergangenheit erhoben einige EU-Staaten schon Schadenersatzansprüche, da die israelische Luftwaffe von der EU finanzierte Bauwerke angegriffen hatte.

Außerdem hat Israel vor zwölf Jahren die Blockade des Gazastreifens verschärft, die von Ägypten mittlerweile mitgetragen wird. Beide Länder begründen dies mit Sicherheitsbedenken. Dadurch würde es der Hamas erschwert, sich Materialien für ihre Raketen zu beschaffen. Die Hamas wiederum reagierte darauf mit Kreativität, um die Grenzblockade zu überwinden. Ganze unterirdische Tunnelsysteme grub sie, um Materialien nach Gaza zu schmuggeln. Doch auch diese hat das ägyptische sowie israelische Militär mittlerweile größtenteils zerstört. Der palästinensischen Bevölkerung hat das nicht geholfen, da neben Materialien für den Raketenbau auch Zement und Produkte des alltäglichen Bedarfes reingeschmuggelt wurden.

(dpa/dtj)