Im hinduistisch-konservativen indischen Bundesstaat Gujarat ist ein Schnurrbart-Krieg zwischen Hindunationalisten und jungen Männern aus der Kaste der Unberührbaren (Dalit) ausgebrochen. Seit Ende September wurden mindestens zwei junge Dalit ermordet und weitere zusammengeschlagen, weil sie Schnurrbärte mit gezwirbelten Enden trugen, wie der asiatische katholische Pressedienst Ucanews am Montag berichtete. Gemäß traditioneller Normen seien solche Schnurrbärte ein Privileg für Männer höherer Kasten, die damit ihre Überlegenheit über die niederen Kasten zum Ausdruck bringen wollten.

Pater Zakarias Devasagayaraj, Sekretär der Dalit-Kommission der katholischen Bischofskonferenz Indiens, sagte gegenüber Ucanews, für die Dalit sei das Tragen solcher Schnurrbärte zu einem Ausdruck ihrer Gleichheit geworden. Das werde aber von den höheren Kasten nicht toleriert. „Jede Störung der Hierarchie verärgert sie“, sagte Devasagayaraj. Hunderte Dalit-Jugendliche hätten sich bereits aus Protest gegen ihre Unterdrückung solche Status-Schnurrbärte wachsen lassen, berichtete Ucanews.

Gujarat ist der Heimatstaat des hindunationalistischen indischen Premierministers Narendra Modi. Dessen Partei BJP ist der politische Arm der radikalen Hindutva-Bewegung. Deren Ziel ist ein Indien auf Basis von hinduistischen Werten und Prinzipien. Unter Modi haben die Diskriminierung von und Gewalt gegen die muslimischen und christlichen Minderheiten in Indien sprunghaft zugenommen.

Die rund 200 Millionen Dalit sind die Ärmsten der Armen in Indien. Obwohl das Kastenwesen offiziell abgeschafft ist, werden die Dalit von den höheren Kasten verachtet, diskriminiert und ausgebeutet. In Gujarat sind rund sieben Prozent der 63 Millionen Einwohner Dalit.

KNA

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