Der in Istanbul wegen Terrorvorwürfen inhaftierten türkischen Schriftstellerin Aslı Erdoğan droht lebenslange Haft. Das gleiche Strafmaß fordere der Staatsanwalt für acht weitere Angeklagte, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag unter Berufung auf die Anklageschrift. Ihnen allen werden unter anderem Mitgliedschaft und Propaganda für die Terrororganisation PKK vorgeworfen.

Die Autorin war im Rahmen einer Razzia gegen Unterstützer der pro-kurdischen Zeitung „Özgür Gündem“ Mitte August festgenommen worden, wenig später wurde Haftbefehl erlassen. Sie schrieb unter anderem Kolumnen für die inzwischen geschlossene „Özgür Gündem“.

Beim Eröffnungs-Festakt der Frankfurter Buchmesse war im vergangenen Monat ein Brief der türkischen Schriftstellerin aus einem türkischen Gefängnis verlesen worden. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, trug ihn vor – vor Hunderten Zuhörern, darunter EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sowie die Könige von Belgien und den Niederlanden.

„Hinter Steinen, Beton und Stacheldraht rufe ich – wie aus einem Brunnenschacht – zu euch: Hier in meinem Land lässt man mit einer unvorstellbaren Rohheit das Gewissen verkommen. Dabei wird gewohnheitsmäßig und wie blind versucht, die Wahrheit zu töten“, schrieb Erdoğan. „Auch wenn ich nicht weiß wie, aber die Literatur hat es immer geschafft, Diktatoren zu überwinden.“

Die 1967 in Istanbul geborene Aslı Erdoğan ist auch international bekannt. Ihre Bücher wurden unter anderem im Züricher Unionsverlag publiziert. Erdoğan hatte zunächst Informatik und Physik studiert und arbeitete von 1991 bis 1993 als Physikerin am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf.