Schulen in Mali: Die wirksamste Waffe, um Frieden zu erreichen

Mali ist ein armes afrikanisches Land, welches aus acht unterschiedlichen Regionen besteht und versucht, durch Landwirtschaft und Fischerei auf eigenen Beinen zu stehen. Die vorhandenen Vorkommen an Uran, Gold und Salz sind nicht reichhaltig genug, um dem Lad tatsächlich Erholung verschaffen zu können.

Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt ungefähr 1.000 Dollar. Die Arbeitslosigkeit beträgt 30% und nimmt dramatische Ausmaße an. Mali, das über Jahrzehnte hinweg Frankreichs Kolonie war, hatte zwar 1959 mit dem Senegal zusammen die Föderation Mali gegründet, doch hat sich die lokale Führung bereits nach wenigen Monaten für die Eigenstaatlichkeit und Unabhängigkeit von Frankreich entschieden. Wie in vielen afrikanischen Ländern bestimmte auch in Mali das Militär, wer die Geschicke lenkt. Erst 1991 bekam das Land eine zivile Verfassung. Der letzte Putsch fand 2012 statt.

Mali verfügt über 30 unterschiedliche ethnische Gruppen, die bevölkerungsreichste davon sind die Bambara. 90% der Bevölkerung sind muslimisch. Mali war bis zum Militärputsch 2012 eines jener Länder, die versuchten, in Afrika ihre eigene Art der Demokratie umzusetzen. Das Militär, das im letzten Jahr den Putsch ausgeführt hatte, gab als Rechtfertigung für das eigene Handeln an, dass die zivile Autorität den bewaffneten Bewegungen in den Gebieten der Tuareg und Azavad nicht mehr im angemessenen Maß gewachsen wäre. In dem Land, welches ein von Frankreich beeinflusstes semi-präsidentielles System aufweist, gibt es mehr als 100 politische Parteien. Die Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen spiegeln sich so auch in der Politik wider.

Bislang keine Alternativen zu Militär und Rebellen

Der nördliche Teil des Landes ist der bedeutendere und galt als die eigentlich befreite Zone. Diese Region stand unter der Kontrolle der Ansar-ed-Din-Gruppe, welche unter der Führung Iyad Ag Ghalys als bewaffnete Gründung entstanden war. In den westlichen Medien wurde die Behauptung verbreitet, dass diese Gruppe den Salafisten zugehörig sei und von einigen Akteuren mit saudischen Wurzeln finanzielle Unterstützung bekommen – manche ordneten sie Al-Qaida zu. Die tatsächliche Lage ist jedoch komplexer. Nach der Kolonisation durch Frankreich gab es für jenen Teil Malis, welcher mit den jahrzehntelang herrschenden Junten in den Kampf getreten ist, leider nicht allzu viele Alternativen. Auf der einen Seite standen muslimische Gruppen, die bewaffneten Widerstand leisteten und auf der anderen Seite die militärischen Formationen, welche durch den Putsch die Führung an sich gerissen hatten und dabei vom Westen unterstützt wurden.

Die Europäische Union – welche sich letztes Jahr noch kurzzeitig entschieden hatte, wegen des Putsches Mali finanziell nicht mehr zu unterstützen – hat sich nunmehr dazu entschlossen, neben der dann doch wieder gewährten finanziellen auch militärische Unterstützung gegen die Aufständischen zu leisten. Dass das Militär Malis – das gestern als Problem galt, doch heute als ein Teil der Lösung angesehen wird – Unterstützung erhält, stellt die Situation, in der sich das Land befindet, sehr anschaulich dar.

Wie lässt sich nun der plötzlich gewendete westliche Aktivismus, an der Spitze die militärische Intervention Frankreichs, interpretieren? Werden die Länder, welche nun gegen die „djihadistische“ Gefahr ankämpfen, bald auch Assad, der in Syrien einen Völkermord verwirklicht, unterstützen, nur weil er laizistisch ist? Und wie sehen die Erfolgschancen der Operation aus? Was wird passieren, wenn Frankreich mit einigen tausend Soldaten nicht die gewünschten Ziele erreichen wird? Oder noch spannender: Was wird passieren, wenn diese Ziele erreicht sind? Wenn der bewaffnete Aufstand niedergeschlagen ist, verändern sich dann die extremen Polarisierungen im Land, oder werden sich noch extremere ausbreiten? Im Rahmen von Interventionen der gegenständlichen Art ist die Unterscheidung zwischen Zivilisten und paramilitärischen Strukturen sehr schwierig, deswegen führen die Luftwaffen Bombenangriffe durch, infolge derer Hunderte von Menschen ihr Leben verlieren, ähnlich wie man dies anfangs auch in Libyen und dann in anderen Ländern erlebt hat.

Langfristige Rekonstruktion nötig

Wir können davon ausgehen, dass Frankreich, das seine ehemalige Kolonie Mali mit hoher Motivation betritt, nicht ähnlich übereilt wie die USA vorgehen wird – die daran denken, sich auf dem schnellsten Wege aus Afghanistan zurückzuziehen. Die wichtigste Rechtfertigung Frankreichs, das bereits in Libyen militärisch interveniert hatte, war das negative Bild in den arabischen Gesellschaften, welches durch die viel kritisierte öffentliche Unterstützung diktatorischer Regime wie jenes des tunesischen Diktators Ben Ali entstanden war, das es zu korrigieren galt. Heute sitzt ein sozialdemokratischer Führer im Pariser Präsidentenpalast. Auch wenn Hollande sein Vorgehen in Mali dem französischen Volk erklären kann, glaube ich nicht, dass er seine Wähler nachhaltig dafür begeistern kann.

Auch wenn zunächst einmal Frankreich und dann die anderen europäischen Länder in der militärischen Operation „erfolgreich“ sein werden und die Regionen, welche die Rebellengruppen eingenommen hatten, zurückerobern, wird sich an den grundlegenden Problemen in Mali nichts Wesentliches ändern. Damit sich diese chaotischen und ethnisch wie politisch gespaltenen Strukturen in einen modernen Staat verwandeln können, muss Mali in einem langfristigen Prozess rekonstruiert und unterstützt werden. Der größte Schritt, den die Staaten, welche das afrikanische Volk jahrzehntelang ausgebeutet hatte, machen können, wird sein, die militärischen Operationen zu begrenzen.

Um Solidarität und Zusammenhalt in der Region zu schaffen und der zu 90% aus Muslimen bestehenden Bevölkerung die Bedeutung des Zusammenlebens und der Gewinnung des Frieden zu verdeutlichen, müssten nach Ende der Auseinandersetzungen eigentlich die muslimischen Völker etwas tun. Bislang beschränken sich die Zusagen der westlichen Interventionsmächte jedoch lediglich auf das altbekannte Programm: militärische Unterstützung, logistische Unterstützung, die Ausbildung des Militärs von Mali… – auf diese Weise bietet der Westen wieder einmal primär die bloße Alternative zwischen der „richtigen“ und der „falschen“ Art zu sterben an.

Hizmet-Schulen im Land als Friedensprojekte

Umso bedeutender ist entsprechend die Bedeutung der Schulen der Hizmet-Bewegung im Land. Sie sind jetzt bereits ein unverzichtbares Friedensprojekt und eine Investition in die Zukunft, welche den Kindern aus dem Norden und Süden Malis in gleicher Weise die Chance zur Bildung und eine Vision für die Zukunft eröffnet. Spätestens in dem Moment, da die Bevölkerung der Interventionsmächte des Engagements müde wird – und im Regelfall sinkt die Zustimmung zu solchen Engagements im Westen sehr rasch -, sind diese Schulen und deren steigende Anzahl die einzige Garantie für das Zusammenleben auf einer modernen Basis in Afrika.

Denn es erscheint äußerst unwahrscheinlich, dass Frankreich große Anstrengungen aufwenden wird, um die Angehörigen und Unterstützer der bewaffneten Truppen und die perspektivlosen Menschen des Landes zurück in ein geregeltes Leben zu holen.