Baylan, der der assyrischen Minderheit angehört, floh nach dem Militärputsch 1980 mit seiner Familie aus der Türkei. Foto: Kristian Pohl/Regeringskansliet

Er war der erste Einwanderer mit Ministerposten in Schweden: Nun hat Wirtschaftsminister Ibrahim Baylan in Stockholm seinen Abschied aus der Politik angekündigt. Die Hintergründe.

Er werde nicht erneut für die nächste Parlamentswahl kandidieren, sagte der in der Türkei geborene Sozialdemokrat Ibrahim Bayran am Donnerstag im Morgenfernsehen des schwedischen Rundfunks. Es sei Zeit, etwas anderes zu machen.

Offiziell aus dem Ministeramt scheiden wird er bei einem Parteitag Anfang November – bei dem wird auch Ministerpräsident Stefan Löfven den Vorsitz der Sozialdemokraten niederlegen und dann den Posten des Regierungschefs abgeben, wie dieser im August angekündigt hatte.

Als Zehnjähriger kam er aus der Türkei

Der 49 Jahre alte Baylan ist seit 2019 Wirtschaftsminister und hatte in den Vorjahren mehrere andere Kabinettsposten inne. Als er 2004 Schulminister geworden war, war er der Nachrichtenagentur TT zufolge der erste Einwanderer, der in Schweden zum Minister ernannt worden war.

Baylan war als Zehnjähriger mit seiner Familie aus der Grenzstadt Mardin in das skandinavische Land gekommen. Schwedens rot-grüne Minderheitsregierung hat es wegen schwieriger Mehrheitsverhältnisse im Parlament seit längerer Zeit schwer.

Erst im Juli hatte Löfven eine Regierungskrise überstanden, die zu seinem Rücktritt und seiner Wiederwahl geführt hatte. Als aussichtsreichste Kandidatin auf seine Nachfolge gilt nun Finanzministerin Magdalena Andersson. Schweden ist als einziges skandinavisches Land noch nie von einer Frau regiert worden. Die nächste Parlamentswahl steht im September 2022 an.

dpa/dtj