Gibt es doch noch Gerechtigkeit auf dieser Welt? Das ist wohl die Frage, die in diesen Tagen vielen durch den Kopf gehen wird.

Der Grund: Fadıl Akgündüz, auch Jet-Fadıl in Anlehnung an den Namen seiner Firmen, wurde in Istanbul verhaftet. Er soll für sein Hotel Caprice Gold von tausenden Anlegern Geld eingesammelt, das Projekt jedoch nicht zu Ende geführt und seine Anleger betrogen haben. Diese wiederum hatten einen Verein gegründet, den Verein der Caprice Anleger (Caprice Yatırımcılar Derneği) und hatten eine Anzeige gegen Akgündüz erstattet. Die Staatsanwaltschaft prüfte seinen Fall, beantragte beim Gericht seine Verhaftung. Das diensthabende Gericht ließ ihn frei. Aber ein anderes Gericht ordnete kurze Zeit später seine Verhaftung an.

Akgündüz-Opfer aus Gram gestorben

Der Verein der Caprice-Anleger hatte im Namen von 185 Personen gegen ihn eine Strafanzeige gestellt. Der Vereinspräsident Doğan Bakırcı sagte, dass Akgündüz neben Caprice Gold Projekte wie Jetkent, Proton und Bauprojekte in den Malediven angefangen, aber keines davon beendet habe: „Wir wissen nun einiges über ihn und seine Projekte. Etwa 12.000 Anleger sind betrogen worden. Viele Familien befinden sich in großen Schwierigkeiten. Es gibt zerbrochene Familien, es gibt Menschen, die aus Gram gestorben sind.“

In Bezug auf das Hotels Caprice Gold sagte Bakırcı: „Er begann noch während der Bauarbeiten des Hotels mit der Zahlung von Mieten an die Anleger. Wir haben festgestellt, dass er dies deshalb tat, um weitere Anleger zu gewinnen. Nach einer gewissen Zeit jedoch verschwand er von der Bildfläche, man konnte ihn nicht mehr erreichen.“ An die Menschen richtete Bakırcı den Rat: „Lasst euch von solchen Projekten nicht täuschen. Bislang hat er noch kein angefangenes Projekt zu Ende geführt.“

In der Tat. Fadıl Akgündüz ist auch für viele türkischstämmige Menschen in Deutschland ein Begriff. Der 1956 in Siirt geborene Unternehmer, der 1987 mit einer Fahrschule (Jet Sürücü Kursu) ins Arbeitsleben eintrat, ist ein Meister im Überzeugen. 1995 wurde er der Türkei-Distributor des in Malaysia produzierten Automodells Proton, er begann mit dem Projekt Jetkent. 1998 gründet er die Jetpa-Holding, gab ein Jahr später bekannt, dass er in der Türkei, und zwar im Osten des Landes das erste Auto des Landes mit dem Namen Imza (Unterschrift) produzieren werde. Er begann mit dem Bau von Fabrikgebäuden, aber auch mit dem Geldsammeln, auch unter den Türken in Deutschland. Viele vertrauten ihn, gaben ihm ihr Erspartes. Es soll sich um Millionen DM handeln.

Die Masche von Akgündüz

Dabei ging Akgündüz so vor, dass er sowohl hohe Renditen versprach, aber davor auch sich äußert islamisch und religiös gab, womit er mögliches Misstrauen schon im Ansatz zerstreute. Dazu bediente er sich patriotischer Gefühle, sprach von der Entwicklung des Landes, versprach Fabriken im unterentwickelten Osten der Türkei. Doch so überzeugend der Mann reden konnte, so unterschiedlich waren auch seine Interessen. Er kaufte Fußballer, die Fußballmannschaft seiner Heimatstadt Siirt trug eine Zeit lang den Namen seines Unternehmens, an der Ägäis-Küste baute er das Caprice-Hotel, dass islamisch orientierten Bürgern Bade-Urlaub nach Geschlechtertrennung anbietet. Es ist womöglich das einzige Projekt, dass er zu Ende führte. Zudem begann er Projekte auf den Malediven. Heute bietet er seinen Anlegern unter anderem in Deutschland als eine Art Entschädigung kostenlosen Aufenthalt im Caprice-Hotel an. Viele gehen auch darauf ein, da sie denken, dass sie ihr Geld nie wieder sehen werden.

Der Stern Akgündüz‘ begann 2003 zu sinken, als er wegen ausbleibender Produktion von Imza angeklagt wurde. Die Staatsanwaltschaft forderte für ihn eine Haftstrafe von bis zu 1.235 Jahren, er blieb anderthalb Jahre in Haft, kam jedoch frei, weil er eine Kaution zahlte. Er wurde dann für vier Jahre und zwei Monate verurteilt, flüchtete daraufhin ins Ausland, als er vom Haftbefehl erfuhr.

Bei seiner Vernehmung sagte Akgündüz: „Wir beobachten nach den Wahlen am 1. November, dass eine sehr große Erleichterung auf dem Markt herrscht. Wir sehen das auch an den Angeboten, die uns erreichen. Diejenigen, die fragen, warum sie keine Renditen bekommen, haben recht. Auch unser Unternehmen erlebt dieselben Schwierigkeiten. Dass die Anwälte der Ankläger das Problem als Strafsache behandeln, entbehrt jeglicher Grundlage und Argumente. Wenn es so wäre, dann würden alle der 8.400 Anleger zu Anklägern werden. Es ist wahr, dass jeder Ausfälle zu beklagen hat. Aber wir haben genügend Kapital, dies zu entschädigen.“

Für die Anleger muss das wie Hohn klingen.