Es war das Wochenendthema schlechthin in der Türkei. Der Präsident höchstpersönlich hatte am Freitag einen Mann, der von der Bosporusbrücke springen wollte, zu sich bringen lassen und ihm sein Vorhaben ausgeredet. Und während die Meinungen darüber, ob die Szene gestellt war oder nicht, auseinander gehen, hat sich jetzt der lebensmüde Mann zu Wort gemeldet.

Wie Habertürk berichtet, überzeugte Recep Tayyip Erdoğan in dem fünfminütigen Gespräch Vezir Çatraş mit einer religiösen Argumentation. Der Mann soll eine schwere Ehekrise haben und an Depressionen leiden. Er habe seit 22 Tagen seine Kinder nicht gesehen, da seine Frau die gemeinsame Wohnung verlassen habe.

„Meine Tochter hat Diabetes. Sie hatte am 26. Dezember Geburtstag. Dass ich sie selbst an ihrem Geburtstag nicht sehen würde, hat mich verrückt gemacht. Ich sah keinen Ausweg mehr“, wird Çatraş zitiert. Die Szene sei nicht gestellt gewesen, er habe es nicht für Geld getan. „Ich bin AKP-Anhänger, meine Frau hält zur CHP. Ich bin aber kein Parteimitglied. Meine einzige Sorge ist meine Familie. Als ich auf der Brücke im Gespräch mit der Polizei war, kam jemand und sagte, dass der Präsident mich rufe. Ich dachte, das ist eine Lüge. Ich wollte, dass er aus dem Auto steigt. Es hieß, dass dies aus Sicherheitsgründen nicht gehe und er sich nur aus dem Auto aus zeigen könne.“

Als er Erdoğan schließlich erkannt habe, sei er zum Auto des Präsidenten gegangen. „Er fragte mich, woher ich komme. Ich antwortete mit Siirt. Dann sagte er, dass die Menschen aus dem Osten religiös seien. Selbstmord sei im Islam eine große Sünde. ‚Es gibt für alles eine Lösung‘, ergänzte er. Dann gab er den Befehl, dass der Gouverneur mich anhören solle. Ich habe seine Hand geküsst und mich bedankt.“

Derweil zitiert die Online-Zeitung Zete einen Augenzeugen, der behauptet, dass der lebensmüde Mann von einem Auto auf der Brücke abgesetzt wurde. Abends habe er den Mann im Fernsehen gesehen und ihn wiedererkannt. Die Szene habe im Nachhinein etwas gestellt auf ihn gewirkt.