Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry sitzt am 13.05.2016 während einer AfD-Veranstaltung an einem Tisch im Hofbräukeller in München (Bayern). Foto: Andreas Gebert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Vor dem für Montag geplanten Gespräch zwischen den Vorsitzenden der AfD und des Zentralrats der Muslime (ZMD) haben beide Seiten noch einmal klare Trennlinien gezogen. „Wir haben sehr ernste Fragen an die AfD für Montag, und der ZMD wird klar machen, dass das Grundgesetz nicht verhandelbar ist“, schrieb der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek am Samstag auf Twitter. „Populismus, persönliche Angriffe und Hass sind keine Form des Dialoges, noch ersetzen sie die Kraft der Argumente“, sagte er außerdem der „Welt am Sonntag“. Vor kurzem hatte Mazyek die AfD mit der NSDAP verglichen und sie als „existenzielle Bedrohung“ für die Muslime in Deutschland bezeichnet.

AfD-Vize Albrecht Glaser, der gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Paul Hampel und der Parteivorsitzenden Frauke Petry am Montag in Berlin mit drei ZMD-Vertretern zusammentreffen wird, sagte der „Welt am Sonntag“, der Vergleich Mazyeks sei „niveaulos und in der Sache völlig ungerechtfertigt“. Zu Beginn des Gesprächs werde man „klären, ob Herr Mazyek bei dieser Aussage bleibt“, so Glaser weiter: „Wenn wir diese Barriere überwinden, dann bekommen wir einen guten Diskurs“, zeigte er sich überzeugt: „Gerade weil die AfD und der ZMD so unterschiedliche Positionen haben, müssen wir miteinander reden.“

Petry will Islam ohne Islam

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry kritisierte unterdessen das Tragen von Kopftüchern aus religiösen Gründen. „Weder Minarette noch der Muezzinruf oder die verschiedenen Verschleierungsarten von Frauen sind entscheidend für die islamische Religionsausübung“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Gerade Frauen, die sich vom Islam emanzipiert hätten, lehnten das Kopftuch rundweg ab. „Es gibt Muslimas, die es freiwillig tragen, bei anderen ist es ein Unterdrückungssymbol. Wir haben in der Tat ein Problem damit.“

Die AfD-Vorsitzende kritisierte den in Deutschland gelebten Islam. „In Wahrheit predigen viele Imame einen radikalen Islam, wie er zum Beispiel in Saudi-Arabien gelehrt wird, und sie werden auch aus diesen Ländern finanziert.“ Muslime sollten ihre Religion „privat und friedlich“ leben.

Giousouf macht AfD mitverantwortlich für Angriffe auf Flüchtlingsheime

Die Debatte beschäftigt weiterhin auch die anderen Parteien. Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, warf Petry vor, mit „Islam-Bashing“ das gesellschaftliche Klima zu vergiften. Die AfD habe ein Problem mit dem Grundgesetz, sagte Beck in Berlin. Wer würdige Gotteshäuser für Muslime verbieten wolle, „hat mit islamistischen Vorstellungen von der Religionsfreiheit mehr gemein, als er sich eingestehen will.“ Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nannte die AfD in der „Welt am Sonntag“ eine „durch und durch antibürgerliche Partei“.

Die Integrationsbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, Cemile Giousouf (CDU), bezeichnete die AfD als eine „extreme und gefährliche Partei“, die rechtsextreme Parolen toleriere und Menschen
gegeneinander aufhetze. „Das führt dazu, dass Angriffe auf jüdische Einrichtungen, Moscheen und Flüchtlingsunterkünfte deutlich zunehmen“, sagte die erste CDU-Bundestagsabgeordnete muslimischen
Glaubens der „Bild am Sonntag“. (kna/dtj)