Die Touristen-Zahlen in der Türkei sind, wie in vielen anderen Ländern auch, stark eingebrochen. Nun hofft man auf eine rasche Erholung. Foto: gotürkiye

Vor dem Beginn der Tourismussaison hat der türkische Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy vor „unnötiger“ Kritik an der Corona-Impfkampagne des Landes gewarnt.

Ersoy wiederholte die Ankündigung der Regierung, bis Ende Juni alle Menschen in der Türkei über 20 Jahre impfen zu wollen. Das Land habe die Infrastruktur, das zu leisten, sagte er am Samstag in Antalya der Deutschen Presse-Agentur. Die Impfkampagne in der Türkei startete mit schnellem Tempo, verläuft aber inzwischen schleppend. Knapp 19 Prozent der Einwohner haben bisher die erste Impfdosis erhalten. Im Land leben viele junge Menschen, das Ziel der Regierung gilt dennoch als sehr ambitioniert.

Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hatte bei einem Besuch Anfang Mai in Berlin gesagt, jeden, den Touristen zu Gesicht bekommen könnten, werde man bis Ende Mai impfen. Ob das tatsächlich gelingen kann, scheint derzeit fraglich. „Wir wissen nicht, wer geimpft ist und wer nicht. Diese Information haben wir nicht“, sagte Ersoy unter Bezug auf die Mitarbeiter:innen im Tourismussektor.

3,5 statt 16 Millionen

Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes und war im vergangenen Jahr um rund 70 Prozent eingebrochen. Erkan Yağcı vom Tourismusverband Aktob etwa sagte, 2019 seien 16 Millionen Besucher nach Antalya gereist. 2020 seien es lediglich etwas mehr als 3,5 Millionen gewesen. Die Bevölkerung leidet ohnehin schon unter der hohen Inflation von rund 17 Prozent. Vor allem Lebensmittel werden immer teurer.

Für Aufregung hatte jüngst eine Videokampagne des Tourismusministeriums gesorgt. Menschen aus dem Gastgewerbe trugen darin Masken mit der Aufschrift „Enjoy! I’m vaccinated“ („Genießt es. Ich bin geimpft“). Die Opposition bezeichnete das als Demütigung. Ersoy sagte, man habe das Video nach ein paar Stunden aus dem Netz genommen. Es sei verständlich, dass Leute in der aktuellen Situation empfindlicher reagierten.

dpa/dtj