Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) Foto: Paul Zinken/dpa
Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) ist in letzter Zeit Top-Thema der türkischen Politik. Während der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Sigmar Gabriel persönlich attackierte, machten es zahlreiche Medien und regierungsnahe NGO´s dem AKP-Gründer nach. Sigmar Gabriel wurde von der türkischen Regierung zur Zielscheibe erklärt. Die Tageszeitung Takvim sprach gar vom deutschen Minister für die Drecksarbeit. Im Umfeld dieser gravierenden verbalen Ausschreitungen sind auch viele Türken in Deutschland beeinflusst worden. Einige sehen in Sigmar Gabriel nun in der Tat einen Türkeifeind, so, wie es viele türkische Medien propagieren. Andere gehen zwar nicht so weit, sind aber sichtlich genervt von dessen kritischen Haltung gegenüber der türkischen Regierung. Im Schatten dieser Gegebenheiten kommen gegenteilige Töne kaum mehr zu Wort. DTJ ist nun auf eine wahre Begebenheit gestoßen, in der Sigmar Gabriel die Hauptrolle spielt. Diese Anekdote zeigt einen ganz anderen Sigmar Gabriel, als durch die türkische Regierung dargestellt und den türkischen Medien propagiert wird. Anstatt ein Türkeifeind, sticht in dieser Erinnerung eher ein Türkenfreund hervor. Den türkischen Text schrieb Dr. Ahmet Güler vom Bund Türkisch-Europäischer Unternehmer. DTJ hat für seine Leserinnen und Leser den Beitrag von Güler ins Deutsche übersetzt.

Wer ist der deutsche Bundesaußenminister Sigmar Gabriel? Hört euch das auch einmal von mir an…

Es ist das Jahr 1999. Das Erdbeben vom 17. August hatte sich wie ein Alptraum auf die Türkei ausgebreitet. Tausende Menschen waren gestorben und unzählige Menschen waren schwer verletzt und obdachlos; Hilfe war dringend nötig.

Die Krankenhäuser in der Region des Erdbebens waren eingestürzt, die Verletzten waren hilflos. Es gab keine Möglichkeit zur Behandlung der Verletzten. Das Instrumentarium in den Krankenhäusern war unter den Trümmern demoliert. Die ganze Türkei und auch die Weltöffentlichkeit wandte den besorgten Blick gen Türkei und versuchte zu helfen, wo es ging.

Wir Türken in Europa versuchten alles zu unternehmen, um der Türkei zur Hilfe zu eilen. Als Vorsitzender vom Bund Türkisch-Europäischer Unternehmer, wurde ich zu dem Vorsitz einer niedersächsischen Hilfskommission für das Erdbeben in der Türkei gewählt. Unser Plan war der eilige Versand von Medikamenten in die Erdbeben-Region.

Wir sammelten in ganz Deutschland medizinische Mittel und Krankenhausutensilien und der Unternehmer Vural Öger transportierte alles, mit seinen Fliegern seiner Öger Tour, kostenfrei in die Türkei.

Plötzlich erhielt ich einen wichtigen Anruf. Am Apparat war das Büro des damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen. Es sprach zu mir niemand geringeres als Sigmar Gabriel, der heutige Bundesaußenminister.

„Hallo, Herr Sigmar Gabriel“

Sigmar Gabriel teilte mir am Telefon mit, wie bestürzt er über das Erdbeben in der Türkei sei und dass sie als Landesregierung, alles nötige tun möchten, um Hilfe zu leisten.

Gabriel: „Was braucht ihr?“

Güler: „Herr Gabriel, es fehlen Krankenhäuser, alle Krankenhäuser in der Region wurden verwüstet. Die Menschen brauchen dringend ein provisorisches Krankenhaus, eine Art Feldlazarett.“

Gabriel: „Was kostet so etwas?“

Güler: „Zwei Millionen D-Mark, aber wir haben nur eine Million D-Mark aufgetrieben.“

Zwei Tage später werden wir zum Amt des Ministerpräsidenten eingeladen. Der damalige Ministerpräsident Gabriel empfängt uns schon an der Tür und es wird uns ein Scheck der Landesregierung, in Höhe von 250.000 D-Mark überreicht.

Güler: „Vielen Dank Herr Gabriel, aber das reicht leider nicht. Wir brauchen immer noch eine erhebliche Summe für das Lazarett“.

Sigmar Gabriel hebt das Telefon in seinem Büro ab und ruft einen Volkswagen Funktionär an, berichtet die Lage und erklärt, dass noch immer viel Geld für ein provisorisches Krankenhaus benötigt wird. Einen Tag darauf erreicht uns eine satte VW-Spende. 250.000 D-Mark. Ich habe nochmal bei Sigmar Gabriel angeklopft, da das Geld immer noch nicht reichte. Nahezu unverschämt drang ich auf mehr Hilfe.

Güler: „Wir brauchen noch immer ganze 500.000 D-Mark, Herr Ministerpräsident.“

Gabriel: „Alles klar“ erwiderte Gabriel und kontaktierte die deutsche Medienlandschaft, um eine Spendenkampagne für die Erdbebenopfer in der Türkei zu initiieren. Auf diese Weise konnte das Ministerium die fehlenden 500.000 D-Mark sammeln und ermöglichte somit das provisorische Krankenhaus in der Türkei.

Nach dem wir das provisorische Krankenhaus und alles nötige endlich kaufen konnten, wurde es vor dem Amt des damaligen Ministerpräsidenten in Richtung Erdbebenzone, mit einer offiziellen Zeremonie verabschiedet. Sigmar Gabriel, mit den Tränen in den Augen, blickte zufrieden hinterher. Der Sigmar Gabriel, den wir kennen, ist genau so ein Mensch. Für die, die ihn nicht kennen, wollten wir diese spezielle Anekdote in Erinnerung rufen.

Dr. Ahmet Güler

22. August 2017
 
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