Singen Tatlıses und Perwer bald gemeinsam für den Frieden?

Der bekannte türkische Sänger İbrahim Tatlıses (r.) und der prominente kurdische Solist Şivan Perwer sind kürzlich in Erbil zusammengekommen, um das Künstlerprojekt „Treffen für den Frieden“ zu unterstützen.

Unter diesem Motto gaben beide Sänger ihrer Absicht Ausdruck, ein gemeinsames Konzert zu geben, um auf diese Weise zum Frieden beizutragen und – wie Şivan Perwer es formulierte, den „neu beginnenden Prozess“, der in diese Richtung führe, zu unterstützen.

Friedensbemühungen wurden stets sabotiert

Perwer vertrat in diesem Zusammenhang die Auffassung, dass die Verhandlungen mit Abdullah Öcalan, dem Führer der terroristischen „Kurdischen Arbeiterpartei“ (PKK) schon viel früher hätten stattfinden müssen: „Immer, wenn solche friedensbildende Maßnahmen in Angriff genommen wurden, wurden sie sabotiert. Stets kam es kurz nach deren Beginn zu einer Zunahme nationalistischer Agitation und zu blutigen Anschlägen. Immer wieder kam es auch dem Nichts heraus zu Angriffen. Die Menschen in unserem Lande haben schon so viel verloren. Dieser Prozess hätte schon viel früher beginnen sollen. Jeder sollte einen Beitrag zu diesem Prozess leisten.“ Die Anschläge in Paris stellen nach Auffassung des Musikers einen direkten Angriff auf die Verhandlungen dar, welche mit Öcalan begonnen wurden und auf die neuen Friedensbemühungen. Sie wären eine Art „Putsch gegen den Friedenswillen“. Und es wäre augenfällig, dass jedes Mal, wenn im Namen der Demokratie und im Namen des Völkerrechts Schritte zum Frieden unternommen wurden, unmittelbar darauf Sabotageakte folgten.

Perwer: „Ministerpräsident Erdoğan hat eine sehr schwierige Aufgabe“

Die Aufgabe, vor der Ministerpräsident Erdoğan steht, betrachtet Şivan Perwer als sehr schwierig: „Aus jeder Richtung werden ihm Knüppel zwischen die Beine geworfen. Deswegen muss der Ministerpräsident angesichts der Ereignisse stets einen kühlen Kopf bewahren. Es ist auch nötig, dass die Verantwortlichen in der BDP und AKP im Zuge dieses Verfahrens einander näher kommen. Das ist sehr wichtig. Denn wenn eine Annäherung stattfindet, gibt es keinen Krieg. Und es schafft noch bessere Voraussetzungen für den Friedensprozess.“

İbrahim Tatlıses teilte seinerseits mit, dass er schon einmal mit Şivan Perwer zusammengekommen sei, doch wäre das noch zu einem Zeitpunkt gewesen, da dieser noch weithin unbekannt gewesen wäre. „Wir sind die Kinder des gleichen Bodens“, betonte Perwer, und das sei einer der wesentlichen Gründe für die Zusammenkunft mit Tatlıses. Sie könnten schon in naher Zukunft ein gemeinsames Konzert geben.

Tatlıses: „Gesunden Menschenverstand einsetzen”

Tatlıses rief die Menschen im Lande dazu auf, in der gegenwärtigen Phase ihren gesunden Menschenverstand zu gebrauchen. Gerade dies sei für den Frieden entscheidend. Das Schlüsselwort laute „sakin“ – das steht im Türkischen für „ruhig, beständig“.

Tatlıses pflichtet seinem Künstlerkollegen Perwer bei: „Der Friedensprozess wurde, egal von welcher Seite, stets hintertrieben. Jedes Mal, wenn ein Fortschritt, ein neuer Prozess, ein Fortschritt im neuen Prozess, eine demokratische und rechtsstaatliche Weiterentwicklung Platz griff, fühlte sich jemand gestört. Aus diesem Grund blieb dem Ministerpräsidenten nichts anderes übrig, als immer einen Schritt nach vorne und wieder einen zurück zu gehen. Nun müssen die Themen mit der nötigen Gelassenheit betrachtet, weiterbetrieben und dementsprechend in die richtige Richtung gelenkt werden.“

„Ich bin kein Politiker mehr, ich bin Künstler“

Auf die Kritik des MHP-Vorsitzenden Devlet Bahçeli antwortete Tatlıses, der einst immerhin für die auch aus dem Wählerpool der „Idealistenbewegung“ fischenden „Genç Parti“ („Junge Partei“) kandidiert hatte, folgendes: „Ich bin kein Politiker mehr, sondern ein Künstler. Bis an mein Lebensende werde ich für den Frieden eintreten. Und das ist meine Meinung. Ich bin ein Künstler, ein Mann der Gefühle, mein Volk interessiert mich, nicht die Politiker.“

Zum Abschluss signierte Tatlıses sein aktuelles Album und schenkte es dem im Irak lebenden Perwer, der entgegnete, dass die Türkei seine Heimat sei und er gerne dorthin kommen werde. (cihan)