Es war das Aufregerspiel des vergangenen Europa League-Spieltags. In der Partie Sporting Braga gegen Fenerbahçe Istanbul geriet der Fußball zur Nebensache, der Schiedsrichter Ivan Bebek aus Kroatien rückte mit seinen (Fehl-)Entscheidungen in den Vordergrund. Fenerbahçe-Verantwortliche und Beobachter sahen darin mehr: Sie sprachen offen von einer möglichen Manipulation.

In der Tat hatte Bebek zunächst eine klare Abseitsstellung vor dem 1:0 für Braga nicht geahndet und wenig später Fenerbahçe-Coach Vitor Pereira auf die Tribüne verbannt. Das Fass zum Überlaufen brachte aber die noch krassere Entscheidung in der zweiten Halbzeit, als der Schiedsrichter erst auf Handelfmeter entschied und dann noch den „Übeltäter“ Mehmet Topal mit Gelb-Rot unter die Dusche schickte. Topal, der beide Arme am Körper hatte und aus kürzester Distanz angeschossen wurde, verstand wie seine Teamkollegen die Welt nicht mehr. In der Folge verloren die Gelb-Blauen komplett den Faden, kassierten noch zwei weitere Tore und zwei vertretbare Platzverweise. Volkan Şen geriet aus der Fassung und attackierte Bebek gar tätlich. Am Ende stand ein 1:4, das nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel das Aus bedeutete.

Fenerbahçe hat nun laut türkischen Medienberichten Beschwerde bei der UEFA eingelegt. Der Klub hatte bereits am Freitag angekündigt, den Fall thematisieren zu wollen.

Die UEFA, von der es noch keine offizielle Bestätigung gab, hat „Takvim“ zufolge die Ermittlungen aufgenommen. Es werde vor allem untersucht, ob Bebek möglicherweise mit Bestechungsgeldern manipuliert worden sein könnte.

Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte sich am Montag im Rahmen eines Treffens mit den türkischen Klubchefs zu der Partie geäußert. „Der Schiedsrichter war sehr parteiisch. Er hat das Spiel zerstört. Fenerbahçe ist zu Unrecht ausgeschieden.“

In den sozialen Medien kursierten die wildesten Verschwörungstheorien. Aufgebrachte Fans unterstellten der UEFA, das letzte in den internationalen Wettbewerben verbliebene türkische Team wissentlich eliminiert zu haben, um wegen der in der Türkei herrschenden Terrorgefahr die europäischen Teams durch Auswärtsspiele am Bosporus nicht unnötig zu gefährden.