Für den Westen war die Zeit der Sklaverei eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte. Der Islam jedoch konnte dadurch auch in der Neuen Welt Fuß fassen.

Mit „12 Years A Slave“ gewann dieses Jahr ein Beitrag den Oscar für den besten Film, der die Massenversklavung von Afrikanern und die menschenunwürdigen Verhältnisse, unter denen sie lange Zeit in den USA leben mussten, thematisiert. Das Drama ist die Verfilmung der gleichnamigen Autobiografie von Solomon Northup aus dem Jahre 1853 und erzählt davon, wie der in New York als freier Bürger lebende Northup in einen Hinterhalt gelockt und als Sklave in die Südstaaten der USA verkauft wird.

Der Film veranschaulicht auf eine intensive Art und Weise die entsetzlichen Gräueltaten, denen Afroamerikaner zu Zeiten der Sklaverei in den USA ausgesetzt waren, und geht unter die Haut. Die Sklaverei wurde in den Vereinigten Staaten erst im Jahre 1865 nach dem Sieg der Nordstaaten unter Präsident Abraham Lincoln offiziell verboten und erst drei Jahre später wurden Afroamerikanern formal Bürgerrechte zugesprochen. Seit Beginn der Kolonialisierung des amerikanischen Kontinents ab dem 16. Jahrhundert wurden schätzungsweise insgesamt 40 Millionen Afrikaner zur Sklaverei gezwungen, um in der dünn besiedelten Neuen Welt als billige Arbeitskräfte hauptsächlich in Bergwerken und auf Plantagen eingesetzt zu werden.

Im Zuge des sogenannten Dreieckhandels wurden diese Menschen unter grausamsten Verhältnissen über den Atlantik verschifft, sodass nur jeder vierte Afrikaner den Transport überlebte. Diese Menschen bildeten den Grundstein des Aufschwungs der Neuen Welt. Die Folge für Afrika waren jedoch ungeheure Menschenverluste. Dem Kontinent gingen über Jahrhunderte einerseits unzählige Generationen gesündester und stärkster junger Leute und andererseits Intellektuelle und führende Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens verloren. So haben sich unter den als Sklaven in die USA verschleppten Afrikanern auch zahlreiche muslimische Gelehrte befunden.

Wenn man heute an muslimische Afroamerikaner in der Geschichte der USA denkt, fallen einem sofort zwei Namen ein: Der 1965 ermordete Bürgerrechtler Malcolm X und der legendäre Boxer Muhammad Ali. Die Geschichte afroamerikanischer Muslime reicht jedoch deutlich weiter zurück. Laut dem amerikanisch-türkischen Historiker Dr. Celal Emanet bildeten Muslime einen großen Teil der versklavten Afrikaner – darunter auch eine hohe Anzahl an Gelehrten. Genau wie Solomon Northup verfassten viele weitere versklavte Afrikaner Autobiografien, die wertvolle Quellen für die heutige Zeit darstellen.

Ayuba Suleiman Diallo – Sohn eines wohlhabenden Händlers

Ayuba Suleiman Diallo, auch bekannt als Job Ben Solomon, ist einer der prominentesten Persönlichkeiten der Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels. Als Sohn einer gläubigen und wohlhabenden Familie kommt er 1701 in der senegalesischen Stadt Bundu zur Welt und wird, wie sein Vater, ein erfolgreicher Kaufmann. Auf einer Handelsreise wird er von Sklaventreibern gekidnappt und an die Royal African Company verkauft. Die Versuche seines Vaters ihn freizukaufen, kommen zu spät. So wird Ayuba Suleiman nach Maryland verschifft, wo er als Sklave auf Tabakfeldern arbeiten muss. Während der Gefangenschaft betet der gläubige Ayuba regelmäßig, weswegen er von seinen Besitzern geschlagen und verspottet wird. Nach zwei Jahren flieht er, wird auf der Flucht gefasst und in Kent Country/Maryland vor Gericht gebracht. Dort lernt er den britischen Anwalt Thomas Bluett kennen, der von Ayubas Schreibfähigkeiten im Arabischen beeindruckt ist. Mithilfe eines Wolof-Übersetzers erkennt Bluett, dass Ayuba Suleiman Diallo einer aristokratischen Familie entstammt. Er kommt mit Bluetts Hilfe frei und reist mit ihm nach London. In dieser Zeit verfasst Ayuba als einer der ersten afroamerikanischen Sklaven eine Autobiografie, die von Thomas Bluett als Some Memories of the Life of Job 1734 veröffentlicht werden. Während seines kurzen Aufenthaltes in London macht er Bekanntschaft mit vielen Angehörigen des britischen Adels. Ein Portrait des 1773 verstorbenen Diallo hängt in der National Portrait Gallery in London.

Yarrow Mamout (Mahmut) – durch gottgefälliges Leben zum Erfolg

Über das Leben des wahrscheinlich in Guinea geborenen und hoch gebildeten Yarrow Mamout vor seiner Versklavung ist wenig bekannt. 1752 wurde er in die USA verschifft und in Virginia-Maryland an eine Ziegelfabrik verkauft. Hier arbeitet er 44 Jahre, bis er freigelassen wird. Mamout wird anschließend zu einem erfolgreichen Ziegelhändler, kauft sich ein Haus und gründet eine Familie. Er führt ein gottgefälliges Leben, verrichtet seine Gebete und wird zu einer angesehenen Persönlichkeit in seiner Umgebung, sodass er in sehr hohem Alter das Interesse des bekannten Portraitmalers Charles Wilson Peale weckt, der ein Portrait von Mamout anfertigt. Yarrow Mamout, dessen Portrait im Philadelphia Museum of Art hängt, verstirbt in Georgetown, D.C., im Jahre 1824.

Prinz der Sklaven – Abdulrahman Ibrahim Ibn Sori

Abdulrahman İbrahim İbn Sori wird 1762 als ein Fulani-Prinz in der Fouta-Djallon-Region im heutigen Guinea geboren und wächst dort auf. Mit zwölf Jahren verlässt er seine Heimatstadt und geht nach Mali, um in Timbuktu zu studieren. Anschließend kehrt er zurück und wird in jungen Jahren zum Befehlshaber der Streitkräfte seines Vaters. Auf dem Rückweg von einer siegreichen Schlacht wird er im Alter von 26 Jahren von Sklaventreibern in einen Hinterhalt gelockt, versklavt und umgehend nach Mississippi verschifft, wo er auf einer Baumwollplantage arbeiten muss. Durch seine Erfahrungen auf eigenen Baumwollfeldern in Afrika und seinen angelernten administrativen Fähigkeiten wird er zum hauptverantwortlichen Sklaven auf der Plantage berufen. Dies ermöglicht ihm, sein eigenes Feld zu betreiben und das Gemüse auf dem Markt zu verkaufen. Auf diese Weise trifft er Dr. John Cox, einen britischen Arzt, der eine Zeitlang im Reich von Abdulrahman İbrahim İbn Soris Vater gelebt hat.

Trotz zahlreicher Versuche konnte Cox Ibn Sori nicht freikaufen, dafür jedoch ein Brief von ihm an seine Familie verschicken. Über einen lokalen Journalisten gelangte dieser Brief auch an den Senator von Mississippi, Thomas Reed, und den König von Marokko, da der Journalist Ibn Sori ihn aufgrund der arabischen Buchstaben für einen Mauren hielt. Auf die Bitte des marokkanischen Königs hin werden Ibn Sori und seine Frau daraufhin nach 40 Jahren in der Sklaverei auf Anweisung des amerikanischen Präsidenten John Quincy Adams freigelassen, jedoch nicht ihre neun Kinder. Trotz monatelanger Versuche und zahlreichen Spendenaufrufen schafft er es nicht, seine Kinder zu befreien und kehrt ohne sie nach Afrika zurück. Er verstirbt jedoch, noch bevor er in seiner Heimat ankommen kann.

Abdulrahman İbrahim İbn Sori hat im Laufe seines Lebens zwei Autobiografien verfasst. Außerdem hat der amerikanische Geschichtsprofessor Terry Alford sein Leben in seinem Buch „Prinz der Sklaven“ niedergeschrieben, welches 2007 unter dem gleichen Namen verfilmt wurde.

Bis ins 91. Lebensjahr Sklave

Omar Ibn Said war ein anerkannter islamischer Gelehrter und Schriftsteller, der 1770 im heutigen Senegal auf die Welt kam und eine 25 Jahre andauernde Ausbildung absolviert hatte. Sein Schicksal verdeutlicht, welch große intellektuelle Verluste Afrika aufgrund des Sklavenhandels erlitten hat: Ibn Said wird 1807 im Zuge eines militärischen Konflikts versklavt und in die USA verschifft, wo er in North und South Carolina bis zum Ende seines über 90-jährigen Lebens als Sklave arbeiten muss. Sein gesamtes Leben über führt er seine Studien der islamischen Theologie fort. Er verfasst mehrere Schriften, eine Autobiografie und übersetzt auch die Bibel ins Arabische. Viele seiner Manuskripte von Koransuren werden heute in der Bibliothek der University of North Carolina at Chapel Hill aufbewahrt. 1991 wurde eine Moschee in Fayetteville, North Carolina, nach ihm benannt.