Uwe Johnson, Böll, Erfolgsgeschichten, Flüchtlinge, Grass, Literaturgeschichte, Literaturtipp
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Wer hätte gedacht, dass einer, der als Geflüchteter in Deutschland ankam, mal als Deutscher wahrgenommen wird? Und das auch noch als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller.

Ich nicht. Das war schon ein Moment des Staunens, als ich das realisierte: Uwe Johnson (geb. 1934, gest. 1984) gilt als solcher: Selbst als Flüchtlingskind mit seinen Eltern damals aus Pommern ins heutige Mecklenburg-Vorpommern geflohen, galt er zu Lebzeiten – neben Heinrich Böll und Günter Grass – als mindestens genau so bedeutsam wie die beiden eben genannten und viel bekannteren Namen der deutschen Literaturgeschichte.

Auch wenn sein erstes Werk „Ingrid Babendererde“ erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde, waren seine Werke „Mutmaßungen über Jakob“, „Das dritte Buch über Achim“, „Zwei Ansichten“ und seine „Jahrestage“ beim Verlag Suhrkamp veröffentlicht worden.

Wenn man es als Flüchtlingskind damals geschafft hat, bei diesem namhaften Verlag zu publizieren und Kritiken zu seinen Werken in den größten Zeitungen Deutschlands zu finden, dann erklärt das, weshalb Uwe Johnson heute als bedeutsamer deutscher Schriftsteller gilt.

Uwe Johnsons Werke nicht im Schulkanon

Anders als Grass und Böll kamen Johnsons – wahrscheinlich aus literaturpolitischen Gründen – nicht in den Schulkanon. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass Grass und Böll heute viel berühmter sind als Johnson. Dabei eignen sich die Werke „Zwei Ansichten“ und „Ingrid Babendererde“, ja sogar „Das dritte Buch über Achim“, wenn nicht unbedingt auch Auszüge aus seinen „Mutmaßungen“ oder „Die Jahrestage“ für eine in die jeweilige Unterrichtseinheit adäquate Stelle zur Schullektüre – vor allem, wenn es darum geht, Geschichtsbewusstsein im Deutschunterricht zu bilden und Wissen über beispielsweise Ost- und Westdeutschland zu vermitteln – das nur eines der vielen Themen sind, die Uwe Johnson in seinen auch historisch relevanten Werken anschneidet.

Vor allem im Zuge der Debatten um den Heimat-Begriff, der Globalisierung und der vielen neu ankommenden Menschen in Deutschland, ist es doch von hoher Bedeutung, den Johnsonschen Heimat-Begriff, der vor allem in „Mutmaßungen“ seinen Platz und seine Beschreibung findet, im Unterricht zu behandeln und zu besprechen. In diesem Zuge kann und wird Johnsons Werken sicherlich eine neue Bedeutung beigemessen werden können.

Dieser Heimat-Begriff Johnsons war bei mir durchaus ein wichtiger Grund, weshalb ich mich so schnell in den Worten Johnsons (z.B. in den „Mutmaßungen“) wiederfand: Dass Uwe Johnson einst die gleichen Gefühle zum Ausdruck gebracht hat, die ich erst im Werk „Wir neuen Deutschen“ von Özlem Topçu, Khue Pham und Alice Bota formuliert zu Gesicht bekam. „Was für eine Brücke“, dachte ich mir, als ich seine Werke vor nicht allzu langer Zeit im Rahmen meines Oberseminars mit dem Titel „Ausgewählte Werke Uwe Johnsons“ bei Prof. Dr. Burckhard Dücker im Sommersemester 2015 las… Hier ein Dank für die Gelegenheit, Johnson somit kennengelernt gedurft zu haben.