Kenan Sofuoglu

Dass die Türkei kein Motorsportland ist, scheint niemanden zu überraschen. Doch ein gewisser Kenan Sofuoğlu hat es trotz aller Hürden und Schicksalsschläge geschafft, sich im Motorsport einen Namen zu machen. Der 29-Jährige aus Adapazarı wurde bereits dreimal Motorrad-Weltmeister der „Supersport“-Klasse und engagiert sich nun für die Nachwuchsförderung im Land, damit weitere junge Türken von seinen Erfahrungen profitieren können. Denn Sofuoğlu will nicht der Letzte sein, der die türkische Flagge auf dem Siegerpodest hisst.

Motorsport stößt in der Türkei im Allgemeinen auf Desinteresse. Gerade Motorradrennen wurden auf türkischem Boden lange Zeit als gefährlich eingestuft und kaum respektiert. In Adapazarı ist jedoch eine motorsportverrückte Familie beheimatet, die der mit großem Risiko verbundenen Sportart die Treue hält, auch wenn sie schon einem Familienmitglied das Leben gekostet hatte. Kenans Bruder Sinan, der an der türkischen Meisterschaft teilnahm, verunglückte 2008 bei einem Trainingsunfall. Auch sein ältester Bahattin war im Jahr 2002 bei einem Unfall gestorben – allerdings als Fußgänger.

Erster türkischer Weltmeister im Motorradsport

Doch Sofuoğlu, der in Deutschland lebt, blieb trotz dieser Achterbahnfahrt der Gefühle seiner Vorliebe treu. Im Jahr 2007 fuhr er auf einer Honda im Supersport und konnte als erster Türke einen Weltmeistertitel im Motorradsport feiern. Dieser Titel sollte nicht sein letzter Erfolg bleiben. Auch in den Jahren 2010 und 2012 krönte er seine Leistungen mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft.

Vor allem im Jahr 2011 – ein Jahr vor seinem letzten WM-Titel – hatte es der leidenschaftliche Motorradfahrer nicht leicht. Auf der einen Seite musste er den Tod seines Vaters Basri verdauen, der nach einer langen Leidenszeit an seiner schweren Krankheit verstarb und auf der anderen Seite musste er eine schwere Knieverletzung aus der Zeit der Saisonvorbereitung wegstecken. Doch Kenan Sofuoğlu ließ sich bei seinem Aufstieg auf den Supersport-Gipfel nicht beirren und wurde 2012 zum dritten Mal Weltmeister.

Der „Kämpfer“ aus Adapazarı

Sofuoğlu pflegt nach wie vor eine enge Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Adapazarı, die 2001 von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde, das die Stadt beinahe zerstörte. Heute ist die 140 Kilometer östlich von Istanbul gelegene Provinz wieder aufgebaut. Geradezu symbolisch also, dass Sofuoğlu, der sich trotz so vieler Rückschläge zurückkämpfte, aus Adapazarı stammt und nun in seiner Heimat zu Recht einen Heldenstatus genießt. Zusammen mit dem türkischen Verband promotet er nun ein Projekt mit einigen Youngsters, um den Bekanntheitsgrad vom Motorsport in der Türkei zu steigern.

„Wir brauchten einen Helden“

Rückendeckung bekommt er bei seinem Vorhaben von Verbandschef Bekir Yunus Uçar und von niemand Geringerem als dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. „Wir brauchten einen Helden und mit Kenan haben wir ihn gefunden. Er ist ein besonderer Mensch, jemand, der unser Land auf der ganzen Welt ehrt und er wird von vielen Fans geliebt“, so der Verbandschef Uçar über den aktuellen Kawasaki-Piloten, der in Folge seines dritten WM-Titels bestimmt auch außerhalb der türkischen Grenzen neue Unterstützer und Anhänger dazugewonnen hat.