Die Festnahme zweier renommierter Journalisten in der Türkei sorgt für Zorn und Bestürzung. Kurz vor dem EU-Sondergipfel mit der Türkei zur Flüchtlingskrise muss der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet ins Gefängnis. Gegen Can Dündar und den Hauptstadtkorrespondenten der Zeitung, Erdem Gül, ist am Donnerstag Haftbefehl erlassen worden. Vorgeworfen wird ihnen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Spionage. Hintergrund ist ein von Dündar und Gül verfasster Artikel über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an Extremisten in Syrien.

Das KulturForum Türkei Deutschland e.V. solidarisiert sich nun mit den Angeklagten in einer Pressemittelung. „Dündar, der dem KulturForum seit vielen Jahren eng verbunden ist, setzt sich als mutiger und gleichwohl besonnener Journalist und Dokumentarfilmer für eine Stärkung der demokratischen Rechte und die Pressefreiheit ein“, schreibt der Vorstandssprecher Osman Okkan in der Erklärung.

Der Verein startete eine Petition, die sich an den türkischen Staatspräsidenten und den türkischen Justizminister richtet. „Wir rufen die deutsche und europäische Öffentlichkeit dazu auf, im Namen der Demokratie und der Pressefreiheit, sich mit den inhaftierten Journalisten zu solidarisieren.“ Die Petition ermögliche, persönliche Proteste gegen die „undemokratische Vorgehensweise“ auszudrücken.

Die Zeitung Cumhuriyet wurde in der vergangenen Woche von der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen als Medium des Jahres ausgezeichnet. Dündar und Gül würden aus politischen Gründen verfolgt, erklärte die Organisation. Dies sei ein weiterer Beleg für das Bestreben der türkischen Staatsführung, „den unabhängigen Journalismus auszulöschen“.

Das KulturForum ruft die deutsche Bundesregierung aus diesem Grund auf, den erneuten „Angriff auf die Pressefreiheit in der Türkei“ nicht zu tolerieren.