Ein Berater des türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan hat sich für Tritte auf einen am Boden liegenden Demonstranten in Soma entschuldigt. Der Vorfall hatte zuvor für großen Unmut in der Türkei gesorgt.

Ein Berater des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat sich für Tritte auf einen in der Bergarbeiterstadt Soma am Boden liegenden Demonstranten entschuldigt. „Der Zwischenfall am Mittwoch in Soma tut mir sehr leid“, zitierten türkische Medien am Freitag eine Erklärung von Yusuf Yerkel. Wegen „Provokationen, Beleidigungen und Angriffen“ habe er die Selbstbeherrschung verloren, erklärte Yerkel. Demonstranten hatten Erdoğan und seine Delegation nach dem Unglück in der Kohlegrube der Stadt ausgepfiffen und ausgebuht.

Auf Fotos war zu sehen, wie Yerkel auf einen Mann eintritt, den zwei Sicherheitskräfte am Boden festhalten. Medienberichten zufolge sagte Yerkel, bei dem Mann habe es sich um einen militanten Linken gehandelt, der ihn und Erdoğan angegriffen und beleidigt habe.

Auf Fotos war zu sehen, wie Yerkel auf einen Mann eintritt, den zwei Sicherheitskräfte am Boden festhalten.

Videoaufnahmen: Erdoğan soll Mann attackiert haben

Für Aufsehen sorgen in diesem Zusammenhang auch mehrere Videoaufnahmen aus Soma, die zeigen sollen, wie der türkische Ministerpräsident am Donnerstag einen Mann im Gedränge vor einem Supermarkt am Nacken packt und schubst. SpiegelOnline zufolge beleidigt Erdoğan den Mann mit den Worten „du isralische Brut“. Dem türkischen Fernsehsender Kanal D gegenüber sagte der betroffene Mann, er halte den Vorfall zwar für ein Missverständnis, erwarte jedoch eine Entschuldigung.

Der Zorn der Menschen in Soma entzündete sich auch, weil Erdoğan die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in der Türkei heruntergespielt hatte: „Solche Unfälle passieren ständig.“ Die Katastrophe ist mit mindestens 284 toten Arbeitern das schwerste Bergwerksunglück in der Geschichte der Türkei.

Auch in anderen Städten der Türkei machten Menschen ihrer Wut und Trauer durch Demonstrationen Luft. In der westtürkischen Metropole Izmir ging die Polizei laut Medien mit Tränengas und Wasserwerfern gegen etwa 20 000 Demonstranten vor. Gewerkschaften hatten zum Streik aufgerufen. In Ankara und Istanbul hatten schon am Vorabend Tausende den Rücktritt der Regierung gefordert. Auch dort setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein. (dtj/dpa)