Am 13. Mai 2014 gab es das größte Bergwerksunglück in der türkischen Geschichte. 301 Arbeiter kamen in der Kohlegrube im türkischen Soma ums Leben. Wegen des Verdachts auf Verstoßes gegen Sicherheitsbestimmungen wurden damals acht leitende Funktionäre der Betreibergesellschaft Soma Kömür İşletmeleri A.Ş. vorläufig festgenommen.

Messungen wurden nicht durchgeführt

Experten haben inzwischen ihr Gutachten zu den Ursachen des Unglücks fertiggestellt. Darin kommen die Prüfer zu dem Schluss, dass es Versäumnisse gab. So haben beispielsweise Ingenieure der Bergwerksbehörde Türkiye Kömür İşletmeleri Kurumu (TKI) es versäumt, entsprechende Messungen vorzunehmen.

Zum ersten Mal waren die Gutachter vier Tage nach der Katastrophe unter Tage gestiegen. Die Experten hatten zunächst die Ergebnisse der Messanlagen beschlagnahmt. Die Prüfer hatten damals festgestellt, dass der Kohlenstoffmonoxid-Gehalt über dem Zehnfachen des Normalzustands lag. Es wurde auch festgehalten, dass der Kohlenstoffmonoxid-Gehalt auch in der Vergangenheit immer wieder über dem Grenzwert lag, ohne, dass Maßnahmen eingeleitet wurden.

30 Verantwortliche vorläufig festgenommen

Die Gutachter waren zudem ein zweites Mal im Juli in die Unglücksgrube gestiegen, um ihre Arbeiten fortzusetzen. Am Donnerstag wurde das Gutachten bei der ermittelnden Staatsanwaltschaft abgegeben. Die Ermittler hatten daraufhin 30 Personen, darunter auch sechs Ingenieure der Bergwerksbehörde TKI, festgenommen. Alle Personen wurden am Freitag wieder frei gelassen. Sechs Personen bekamen lediglich die Auflage, das Land nicht zu verlassen.

Opposition geht von Manipulation aus

Kritik an dem Gutachten kommt vom Abgeordneten Özgür Özel von der Oppositionspartei CHP. Das Gutachten sei demnach schon viel früher fertig gestellt worden. „Die Gutachter wollten ihren 126-seitigen Bericht schon am 20. Juli 2014 abgeben, bevor die Gerichte in die Ferien gingen. Aber die Behörden haben verlangt, dass der Bericht nach der Präsidentschaftswahl abgegeben wird, da das Gutachten ansonsten auch zu politischen Ergebnissen hätte führen können. Der Bericht wurde deswegen erst nach den Wahlen am 18. August abgegeben“, zitiert die Zeitung Bugün den Oppositionspolitiker. Auch dann sollen die Behörden den Bericht erneut zurückgewiesen haben, weil dadurch auch Politiker zur Verantwortung hätten gezogen werden können. Die Verantwortlichen sollen deswegen Veränderungen an dem Gutachten gefordert haben, um etwa spätere Forderungen der Angehörigen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vorzubeugen.