Nach dem Bergwerkunglück in der Türkei werden 432 Kinder ohne Väter aufwachsen. Das Sozialministerium organisiert jetzt breit angelegte Hilfsmaßnahmen.

Der stellvertretende Premierminister Beşir Atalay und die Ministerin für Soziales, Ayşenur İslam, haben im Rahmen einer Pressekonferenz im Direktorat für Katastrophen und Notfälle des Amts des Premierministers (Afet ve Acil Durum Yönetimi Başkanlığı; AFAD) einige Daten und Fakten zum Unglück im Bergwerk präsentiert, das 301 Menschen das Leben kostete und darüber hinaus noch dutzende Verletzte gefordert hatte.

Ministerin İslam erklärte, 217 der betroffenen Minenarbeiter hätten Kinder und künftig würden 432 von ihnen, im Durchschnitt zehn Jahre alt, ohne Väter aufwachsen. 255 Minenarbeiter wären verheiratet gewesen, 46 alleinstehend und 84 hatten keine Kinder. Von 11-12 betroffenen Familien konnten noch keine Daten gewonnen werden, da diese zu Begräbniszeremonien an andere Orte verreist seien. Man bemühe sich, so schnell wie möglich den Kontakt herzustellen.

“Wir können den Familien nicht ihre Väter, Ehemänner und Söhne zurückbringen, aber wir werden unsere Arbeit für die Überlebenden fortführen“, betonte Atalay. İslam fügte hinzu, es wäre jetzt wichtig, den Familien zu ermöglichen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen und ihr Leben weiterzuführen.

Ministerium koordiniert Hilfsmaßnahmen über AFAD

Die offiziellen Opferzahlen sprechen von 301 getöteten Minenarbeitern, 486 Verletzten und 122 Personen, die sich noch in stationärer Heilbehandlung befinden. Die Ministerin erklärte, Regierungsoffizielle würden derzeit alle Opferfamilien besuchen, deren Lebensumstände eruieren und dazu Berichte anzufertigen, um zielgerichtet über die AFAD Hilfsmaßnahmen einleiten zu können. „Alle gesammelten Hilfsgelder für Soma werden bis zum letzten Penny den Überlebenden und Familien zugute kommen“, unterstrich İslam.

Darüber hinaus arbeite man auch an einem Programm für die psychologische Betreuung der Opferfamilien. Freiwillige Organisationen, Experten und zivilgesellschaftliche Verbände, die sich dabei einbringen wollen, sollen sich an das Ministerium wenden, so İslam. In ähnlicher Weise sei man nach dem folgenschweren Erdbeben von Van im Jahre 2011 verfahren, erklärte die Ministerin.

Die Katastrophe von Soma war das schlimmste Bergwerkunglück in der Türkei seit Beginn des Bergbaus im Land. Die betroffenen Minenarbeiter starben an Kohlenmonoxidvergiftungen infolge eines Feuers, das rasch die Sauerstoffvorräte in der Mine verzehrte. Die Ursache des Feuers ist bis dato immer noch ungeklärt. In den Tagen nach dem Unglück waren immer mehr Details auch durch die Berichte von Überlebenden bekannt geworden.