Sonderberater Downer: Wirtschaftliche Gründe für Wiedervereinigung Zyperns

Ein solcher Schritt könnte bei der Bewältigung des Schuldenproblems und der schnellen Erschließung von umstrittenen Gasfeldern vor der Küste Zyperns helfen.

„Beide Seiten, griechische und türkische Zyprioten, haben wirtschaftliche Schwierigkeiten“, sagte Alexander Downer, Sonderberater des UN Generalsekretärs Ban Ki-Moon, der zum Zwecke einer Beendigung des nun schon vier Jahrzehnte dauernden diplomatischen Stillstands eingesetzt ist.

„Eine Lösung des Zypernproblems wird wirtschaftlich sehr vorteilhaft sein und würde von der internationalen Gemeinschaft sehr positiv aufgenommen werden“, betonte er in einem Interview mit Reuters.

Die Griechische Republik Zypern sah sich im Juni gezwungen, Hilfe vom Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union zu erbitten, um ihre von der Finanzkrise stark gebeutelten Banken zu stützen.

Die Türkische Republik Nordzypern wird international nicht anerkannt und ist somit wirtschaftlich und politisch komplett von der Türkei abhängig. Der seit 1974 schwelende Zypernkonflikt rückte im 2011 erneut in den Fokus des öffentlichen Interesses, als im Dezember des Jahres die griechische Seite den Fund von Erdgasvorkommen vor der Küste der Insel bekannt gab. Die Türkei begann ihrerseits im April mit einer Festlandbohrung in Nordzypern.

Die Republik Zypern, die im zweiten Halbjahr 2012 den Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehat, besitzt wie jedes andere EU-Mitglied auch das Vetorecht bezüglich des Beitrittsantrags der Türkei.

„Es ist friedlich, aber jeder weiß, es ist nur vorübergehend. Und jeder weiß, dass es eine dauerhafte Lösung geben muss“, sagte Downer. Die Wiedervereinigung würde das immense Risiko, in Zypern zu investieren, drastisch reduzieren, die Probleme bei Investitionen in Grundstücke beseitigen, das Bruttoinlandsprodukt wachsen lassen und so eine Möglichkeit bieten, die Schulden zurückzuzahlen. Es wäre, so Downer weiter, „ein wirtschaftlicher Segen für Zypern, der genau zur rechten Zeit kommen würde“. Es gäbe zwar Erdgas, aber es werde noch Jahre dauern, bis man daraus Geld machen könne.

Downer sagte, ihm sei durchaus bewusst, dass eine Lösung des Zypernproblems hart zu erreichen sei, jedoch bleibe er optimistisch, da es eine stetige Annäherung gäbe.

Beide Seiten stimmen grundsätzlich einer Wiedervereinigung der Insel in Form einer Föderation zu. Auffassungsunterschiede bestehen aber weiterhin, etwa dahin gehend, wie die genaue Machtverteilung in einem einheitlichen Zypern aussehen soll. Auch die Besitzansprüche von Tausenden durch den Konflikt vertriebenen Inselbewohnern bergen noch viel Konfliktpotenzial.