Trainer Yunus Kılıç vom FC Hochstätt Türkspor. Foto: Screenshot SWR

Kopfballduelle sind fester Bestandteil des Fußballspiels. In den allermeisten Fällen gehen sie für die beteiligten Spieler schmerzlos aus, zumindest äußerlich betrachtet. Manchmal hingegen bleibt ein Spieler benommen oder mit einer Platzwunde liegen, weil er mit dem Kopf des Gegners zusammengestoßen ist oder von dessen Ellbogen getroffen wurde. In diesen Situationen geht es nach einer kurzen Behandlungspause weiter, zur Not mit einem Turban.

Lebensgefährlich für einen Beteiligten wurde es allerdings in einem Kreisligaspiel im Raum Mannheim im März dieses Jahres, als Daniel Senn vom SV Rohrhof nach einem Luftduell in der 75. Minute regungslos am Boden blieb. Yunus Kılıç, Trainer des 5:0 führenden Gegners FC Hochstätt Türkspor, reagierte sofort und rannte aufs Feld. Kılıç stellte schnell fest, dass etwas mit dem Spieler nicht stimmte und leitete Erste-Hilfe-Maßnahmen ein.

Kılıç: „Also habe ich ihm die Zunge herausgezogen“

„Er hat gezittert, konnte nicht atmen. Da habe ich gemerkt, dass er die Zunge verschluckt hat. Ich musste was tun. Also habe ich ihm die Zunge herausgezogen, sein Kinn angehoben − und dann konnte Daniel wieder die ersten Atemzüge machen. Ich war echt erleichtert.“ So schildert Coach Yunus die damalige Situation im SWR.

Senn verließ den Platz und fuhr ins Krankenhaus, um sich untersuchen zu lassen, ob auch wirklich alles mit seiner Gesundheit stimmte. Da Rohrhof bereits sein Wechselkontingent ausgeschöpft hatte, beschloss Kılıç aus Fairness kurzerhand, einen Mann aus seinem Team vom Feld zu nehmen. Sein Team stimmte dem umgehend und applaudierend zu. Das Spiel wurde in den letzten Minuten mit einem Mann weniger auf beiden Seiten zu Ende gespielt.

Spieler nennt Reaktion des Trainers „Bombenaktion“

Für diese beiden Aktionen wurde der Coach mit den türkischen Wurzeln vom Badischen Fußballverband als „Fair ist mehr-Monatssieger“ des Monats März gekürt. Doch das ist nicht alles: Kılıç ist nun auch unter den fünf Kandidatinnen und Kandidaten für den Sporthelden 2019 in Baden-Württemberg (hier kann abgestimmt werden).

Für Senn steht fest: Sein Lebensretter verdient alle Preise, die er bekommt. „Einmal wegen der Aktion für mich und dann nochmal dafür, dass er den Spieler heruntergenommen hat. Das ist eine Bombenaktion“, so der Kreisliga-Kicker, der drei Wochen nach dem Unfall wieder Fußball spielen konnte. Das hatte er auch dem beherzten Eingreifen des gegnerischen Coaches zu verdanken, der in dieser Situation weniger an Fußball, sondern mehr an das Leben eines Menschen in Not dachte.