Srebrenica-Massaker: Serbien entschuldigt sich

Der serbische Präsident Tomislav Nikolic hat sich für das Massaker von Srebrenica während des Bosnienkrieges entschuldigt. „Im Namen Serbiens kniee ich nieder und bitte um Entschuldigung für die Gräueltaten von Srebrenica. Ich entschuldige mich für alle Verbrechen, die im Namen unseres Staates und unseres Volkes begangen wurden“, erklärte Nikolic am Donnerstag dem bosnischen Fernsehsender BHRT. Es müsse allerdings immer noch bewiesen werden, dass es sich bei der Massentötung bosnischer Muslime im Jahr 1995 um Völkermord gehandelt habe, sagte er.

Auf die Frage, ob die Massentötungen und die Verschleppung von Frauen, Kindern und Alten nicht die Kennzeichen eines Völkermords seien, entgegnete Nikolic: „Alles, was im ehemaligen Jugoslawien geschehen ist, hatte die Kennzeichen eines Völkermords.“

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hatte im Jahr 2007 entschieden, dass die Verbrechen der bosnisch-serbischen Einheiten Völkermord waren, hatte Serbien allerdings nicht dafür verantwortlich gemacht. Nikolic, der ursprünglich aus dem ultranationalistischen Lager stammt, hatte den Vorwurf des Völkermords wiederholt zurückgewiesen und das Gericht scharf kritisiert.

Belgrad, das die Serben in Kroatien und Bosnien unterstützt hatte, hat jahrelang jede Verantwortung für Kriegsverbrechen in den beiden Nachbarländern abgestritten. Erst 2010 entschuldigte sich das Parlament Serbiens für das Massaker in Srebrenica. Allerdings vermieden auch die Abgeordneten in Belgrad in ihrer Erklärung das Wort „Völkermord“.

Am 11. Juli 1995 war die damalige UN-Schutzzone Srebrenica von bosnisch-serbischen Einheiten überrannt worden. Etwa 8000 muslimische Jungen und Männer wurden ermordet. UN-Soldaten hatten nicht eingegriffen. Vor einem Jahr hatte Nikolic die internationale Gemeinschaft mit der Bemerkung gegen sich aufgebracht, das Massaker sei kein Völkermord gewesen.

Das Massaker von Srebrenica gilt als das schlimmste dieser Art in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.