Die Türkei bietet jungen Gründern gute Voraussetzungen. Foto: Marvin Meyer / Unsplash

In der Türkei boomt die Start-up-Szene, überraschend viele Tech-Unternehmen werden gegründet. Einige wollen nun auch in Deutschland aktiv werden. Die türkischstämmige Bevölkerung hilft dabei.

Die türkische Gründerszene ist besonders dynamisch. Viele Jungunternehmer nehmen ihr Glück selbst in die Hand und gründen Firmen. So entstand „beinahe unbemerkt ein beachtliches Ökosystem aus Tech-Unternehmen“, wie das Branchenportal „Business Insider“ es formuliert.

Und es stimmt: In den großen Städten finden viele junge Expert:innen gute Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung. Die staatliche Agentur für Investitionsunterstützung und -förderung bestätigt, dass die Türkei mittlerweile zu den Top Ten Ökosystemen für Start-ups in Europa zählt.

Große potenzielle Kundschaft

Das liegt auch an dem heimischen Markt, der mit 82 Millionen potenziellen Kund:innen eine beachtliche Größe aufweist. Hinzu kommt: Die türkische Bevölkerung ist Technik-begeistert und probiert gern neue Technologien aus. Die heimischen Start-ups profitieren davon und wachsen entsprechend.

Mittlerweile sind einige türkische Start-ups so gut finanziert, dass sie ins Ausland drängen. Deutschland ist neben der englischsprachigen Welt ein beliebter Zielmarkt. Schließlich leben hierzulande viele aus der Türkei stammende Menschen, die Produkte und Technologien in türkischer Sprache nutzen können. Und häufig ist ihnen die Marke bereits bekannt.

Lieferdienste, Logistik und Fintechs weit vorn

Ein prominentes Beispiel belegt den Erfolg eines türkischen Unternehmens bei der Expansion nach Deutschland. Das Lieferunternehmen Getir, vor sechs Jahren in Istanbul gegründet, ist mit seinen violetten E-Mopeds seit vergangenem Juni auf den Straßen von Berlin unterwegs. Gerade die Corona-Pandemie ließ die Geschäftsidee für ultraschnelle Lebensmittellieferungen via App durch die Decke gehen.

Einer aktuellen Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG zufolge locken vor allem Lieferdienste sowie Unternehmen aus den Bereichen Logistik und Fintech die meisten Investitionen an. Auch die türkische Gamingbranche boomt. Ein Beispiel: Das Start-up „Dream Games“ erhielt im Juni 2021 eine Bewertung von einer Milliarde US-Dollar.

E-Auto-Hersteller Togg geht in die Offensive

Auch deutsche Kernindustrien greift die türkische Tech-Szene an. Der türkische E-Auto-Hersteller Togg beantragte jüngst die Gründung einer GmbH in der Bundesrepublik, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Togg geht damit in die Offensive und will künftig auch Kund:innen direkt in Deutschland bedienen.

Mit den innovativen und mutigen Start-ups bekommt die türkische Wirtschaft, die in Zeiten von Inflation und Lira-Krise schwächelt, den dringend benötigten Rückenwind (DTJ-Online berichtete). Die schwierige Lage im Land wird indes vermutlich weiter dazu führen, dass sich türkische Unternehmen verstärkt auch auf ausländischen Märkten umschauen werden.