Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, macht auch „soziale Verwerfungen“ für eine Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas verantwortlich. „Dagegen können wir etwas tun in Tarifverhandlungen, im Wohnungsbau, in der Familienförderung und mit Bildungsinvestitionen“, sagte Sternberg am Freitag auf der Vollversammlung des Laien-Gremiums in Bonn.

Er verwies zudem auf eine tiefe Kluft zwischen hohen und niedrigen Löhnen. „Hier müssen Parteien und Tarifpartner tatkräftig und programmatisch ansetzen. Und wir als Katholiken sollten nicht zuletzt aufgrund der katholischen Soziallehre Anwälte der sozial Schwachen sein.“

Sternberg kritisierte, dass für manche Missstände Flüchtlinge als vermeintliche Verursacher genannt würden. „Doch steigende Mieten, drohender Wohnungsverlust, fehlende Sozialwohnungen und Ablehnung bei Kita-Plätzen sind bei näherer Prüfung nur sehr, sehr selten vom Flüchtlingszuzug verursacht.“ Das CDU-Mitglied Sternberg forderte eine „entschiedenere“ Sozialpolitik. „Darüber haben wir in den Wochen der Sondierungen noch zu wenig gehört.“

Der ZdK-Präsident warb für Verständnis für Vorbehalte gegenüber den Flüchtlingen und dem Streitthema Familiennachzug: „Wenn Städte und Gemeinden zur Frage des Familiennachzugs signalisieren ‚Wir haben schon genug Probleme‘, wenn Menschen sich unter Druck gesetzt fühlen und zugewanderte Menschen als Konkurrenz und Bedrohung wahrnehmen, dürfen wir das nicht ausblenden, weil es unser Wunschbild von unserer Gesellschaft stört.“ Ängste vor „dem Fremden und dem Ungewohnten, vor Ausländern, vor ‚dem Islam‘, vor Verdrängung und Benachteiligung“ müssten ernst genommen, aber in „Besorgnisse“ umgewandelt werden: „Mit Sorgen kann man umgehen, mit Ängsten kaum.“

Sternberg sprach sich erneut für den umstrittenen Familiennachzug aus. „Der im Grundgesetz verankerte besondere Schutz der Familie gilt auch für nach Deutschland geflüchtete Menschen. Nicht zuletzt ist die Zusammenführung der Kernfamilie ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Integration.“ Kritik am Familiennachzug zum Beispiel von kommunalen Spitzenvertretern dürfe man aber „nicht einfach“ als unchristlich abtun. Der ZdK-Präsident warnte davor, dass die Kirchen ihre Position von einem „zu hohen moralischen Ross“ herab verkündeten.

KNA/lwi/cas