Die Streiks in der türkischen Automobilbranche weiten sich immer weiter aus. Nachdem die Arbeitsniederlegungen bei Oyak Renault und bei Tofaş angefangen hatten, haben auch Zulieferer wie Mako, Coşkunöz und Ototrim nachgezogen und verlangen bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld.

Inzwischen stehen auch die Bänder bei Ford Otosan still. In einer Ankündigung teilte der Automobilbauer am Mittwoch mit, dass wegen der Streiks bei den Zulieferern die Bänder in den Werken in Gölcük und und Yeniköy ab Donnerstag still gelegt werden. Sollte das Unternehmen wieder von seinen Zuliefern Materialien erhalten, werde die Produktion bei Ford Otosan wieder aufgenommen.

Streik auch bei Ford Otosan

Unterdessen wirft die Zeitung „Hürriyet“ die Frage auf, ob der einzige Grund tatsächlich nur der Streik bei den Zulieferern sei. Unter Berufung auf die Nachrichtenagentur DHA schreibt die Zeitung, dass eine Gruppe, die behauptete bei Ford Otosan angestellt zu sein, eine Stellungnahme in İzmit Sekapark abgegeben hat. Dort soll die Gruppe eine Arbeitsniederlegung für Mittwoch angekündigt haben. Die Angestellten würden unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten, heißt es in der Meldung.

Türk Metal Sendikası wittert Propaganda

Die Gruppe sehe hinter den schlechten Arbeitsbedingungen in der Automobilbranche die Metallgewerkschaft TMS (Türk Metal Sendikası), so der Bericht. Zwar hatte die TMS mit dem Arbeitgeberverband MESS (Türkiye Metal Sanayiciler Senidakasi) einen Tarifvertrag für die Branche von 2014 bis 2017 ausgehandelt, aber diesen für die Mitarbeiter bei Bosch im vergangenen Dezember nachgebessert. Die Arbeiter fordern, dass ihre Verträge an die von Bosch angepasst werden.

Die TMS hingegen gab bekannt, dass zwar die Angestellten bei Bosch eine Gehaltserhöhung erhalten haben, aber das sei geschehen, bevor die Mitarbeiter Mitglied der Gewerkschaft wurden. „Aber dennoch sind die Durchschnittsgehälter von Bosch-Angestellten unter dem bei Renault und Tofaş“, erklärte ein Sprecher der TMS.

Arbeitgeber verärgert

Die Arbeitgeber sind verärgert. Die Streiks vor allem in Bursa, wo die türkische Automobilindustrie ihren Schwerpunkt hat, hätten „unerträgliche Ausmaße“ erreicht, heißt es in der Stellungnahme des MESS. Mit diesen Aktionen würden Schäden an der türkischen Automobilbranche entstehen und die Konkurrenzfähigkeit der betroffenen Unternehmen leiden.

Regierung sieht in Streiks „ideologische und politische Dimension“

Auch die Regierung zeigte sich verärgert. Zwar müssten die Verträge in der Automobilsektor verbessert werden, aber das Timing der Streiks sei schon signifikant, deutet der türkische Vize-Ministerpräsident Ali Babacan im Nachrichtensender Bloomberg HT an. „Diese Themen bleiben und kommen zwei bis drei Monate vor den Wahlen in die Öffentlichkeit und ob wir es wollen oder nicht, weckt das in uns Zweifel“. Man frage sich, ob das wirklich eine Angelegenheit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sei oder ob das Ganze auch eine ideolgische und politische Dimension habe, kommentierte Babacan die Streiks. Am 7. Juni wird in der Türkei ein neues Parlament gewählt.

Für die Branche steht viel auf dem Spiel. Oyak Renault, Tofaş und Ford Otosan stellen rund zwei Drittel der Fahrzeuge in dem Land her. 2014 wurden 1,22 Millionen Fahrzeuge produziert. Während Oyak Renault mit 318.246 an der Spitze liegt, kam Ford Otosan auf 244.682 und Tofaş auf 22.807 Autos.