Die USA und ihre arabischen Verbündeten haben erneut Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordsyrien bombardiert. Das von den USA geführte Bündnis habe zwei Dörfer westlich und östlich der vom IS eingekreisten Stadt Kobani (Arabisch: Ain al-Arab) angegriffen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag mit. Informationen über Opfer lagen zunächst nicht vor.

Bei den Luftangriffen im Norden Syriens am Montag seien 13 IS-Kämpfer getötet worden, erklärten die Menschenrechtler weiter.

Die IS-Terrormiliz versucht seit Tagen, die kurdische Stadt Kobani einzunehmen. Sie kontrolliert bereits Dutzende Dörfer im Umland und war zuletzt bis auf vier Kilometer an die Stadt herangerückt. Die Orte liegen an der türkischen Grenze in einer Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde.

Bewohner der kurdischen Stadt Kobani im Norden Syriens befürchten bei einer Eroberung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein Massaker. Die Zahl der Luftangriffe in der Region sei zu gering und die Luftschläge seien zu weit weg von der Front, beklagen Augenzeugen, wie der US-Fernsehsender CNN in der Nacht zum Dienstag berichtete. „Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen Waffen. Wir brauchen effektivere Luftschläge“, sagte Idriss Nassan aus Kobani. Wenn es so bleibt, „werden wir ein Massaker sehen“. Er könne sich nicht vorstellen, was geschehen werde, wenn die Terrormiliz in Kobani einmarschiert.

Augenzeugen berichteten unterdessen, die Türkei habe ihre Militärpräsenz an der Grenze verstärkt und Panzer auffahren lassen. Die Extremisten seien nur noch vier bis sieben Kilometer von dem Ort entfernt, sagte der Präsident der selbst ernannten Regionalregierung von Kobani, Anwar Muslim, am Montag. Bei CNN ist von drei Kilometern die Rede.

Türkei schließt militärischen Einsatz nicht aus

Die Extremisten griffen Kobani aus allen Richtungen an, sagte Anwar Muslim am Telefon. Sie beschössen die Stadt mit schwerer Artillerie. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, mindestens drei Menschen seien dabei ums Leben gekommen und weitere verletzt worden. Die Terrormiliz habe am Montag 17 Granaten auf das Zentrum von Kobani abgefeuert.

Unterdessen bekräftigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, sein Land denke ernsthaft über eine militärische Unterstützung der von den USA angeführten Koalition gegen die Extremisten nach. Alleine schon auf Grund der 1250 Kilometer langen gemeinsamen Grenze der Türkei mit dem Irak und mit Syrien sei die Türkei selbst ein potenzielles Ziel der Terrororganisation.

Der türkische Präsident bekräftigte, dass sein Land eine militärische Unterstützung für die von den USA angeführte Koalition gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) erwägt. Türkei könne bei dem Konflikt „nicht außerhalb“ stehen. „Wir haben eine 1250 kilometerlange Grenze zu Syrien und Irak. Wir sind potenzielles Ziel der Terrororganisation“, so Erdoğan.

Auch einen Einsatz von Bodentruppen schloss der türkische Präsident nicht aus. Zugleich betonte er aber, dass langfristig ein militärisches Vorgehen gegen den IS nicht ausreiche, um die Terrormiliz zu besiegen. Bomben könnten nur eine „provisorische Lösung“ sein, sagte Erdoğan.

Der türkische Präsident wolle die Bekämpfung des IS allerdings auch mit Maßnahmen gegen die syrische Regierung unter Präsident Bashar al-Assad verbunden sehen. Er trat für die Errichtung einer Sicherheits- und Flugverbotszone ein und forderte auch mehr Anstrengungen bei der Ausrüstung und Ausbildung der Freien Syrischen Armee (FSA) und anderer oppositioneller Kräfte.

Türkische Panzer rücken an die Grenze vor

Vor allem drängt die Türkei auf die Errichtung einer Schutzzone auf syrischem Territorium. Ankara bietet sich auch selbst an, wenn es darum geht, zu bewachen und damit die Flüchtlinge vor Übergriffen durch die Extremisten oder durch die syrische Armee zu schützen.

Die Türkei soll mittlerweile nach auch mindestens 15 Panzer auf einer Anhöhe an der türkisch-syrischen Grenze in Stellung gebracht haben, von der aus Kobani zu sehen ist. Dies sei eine Reaktion auf den Einschlag zweier aus Syrien abgefeuerter Mörsergranaten gewesen, hieß es aus dem Generalstab. Zudem wurden weitere Panzer und gepanzerte Fahrzeuge in das Grenzgebiet gebracht, um dieses zu sichern.

Erdoğan übte auf dem Weltwirtschaftsforum in Istanbul am Wochenende auch Kritik am Westen und dessen außerordentlich selektiver Wahrnehmung, wenn es um Terrorismus gehe. Vor allem die Türkei habe man im Kampf gegen Terroristen im eigenen Land allein gelassen. „Seit 32 Jahren kämpfen wir gegen den PKK-Terror und keiner hat uns bis heute eine Zusammenarbeit angeboten. Die Türkei wurde in ihrem Kampf gegen den Terror jahrelang alleine gelassen“, warf Erdoğan den Bündnispartnern vor.

Er verstehe nicht, warum diese nicht einmal annähernd jenen Einsatz gegen die PKK gezeigt hätten, die man nun gegen den IS an den Tag lege. (dpa/dtj)