Er ist einer von hunderttausenden syrischen Flüchtlingen, die in der Türkei Zuflucht gefunden haben. Und doch ist Muhammad Nizar Bitar einer jener Menschen, die ihren Schicksalsgenossen ein Beispiel der Hoffnung geben können. Der 49-jährige Bürgerkriegsflüchtling und gelernte Koch ist auf der Flucht in Istanbul untergekommen. Und von dort aus baute er eine in der gesamten Stadt erfolgreiche Restaurant- und Bäckereikette auf.

Der fünffache Vater begann als Hersteller und Zulieferer von Nahrungsmitteln für türkische Restaurants in einer kleinen Siedlung in Aksaray. Mittlerweile ist er Herr über fünf Restaurants und zwei Bäckereien, die er zusammen mit 22 Partnern betreibt – 18 davon sind Syrer. Letzte Woche hat Bitar sein jüngstes Restaurant in Taksim eröffnet. Insgesamt beschäftigt er in seinen Betriebsstätten 300 syrische Flüchtlinge.

„Ich lebte in Damaskus und hatte dort eine Mosaikfabrik“, schilderte Bitar gegenüber Hürriyet. „Außerdem hatte ich ein Fischrestaurant im Tourismuszentrum Al-Zabadani; meist habe ich dort selbst gekocht. Ich musste nach Beginn der Unruhen jedoch mein Restaurant schließen. Das Regime hat willkürlich begonnen, Leute zu verhaften, und ich wäre auch verhaftet worden, wäre ich nicht geflohen.“

Auch die meisten Partner im Restaurant kommen aus Syrien

Der Name der Restaurantkette lautet „Tarbuş“, das bedeutet im Osmanischen so viel wie „Fez“. Das erste Restaurant wurde 2012 in Aksaray eröffnet. „Damals hatte ich nicht genug Geld, um ein Restaurant zu eröffnen“, erklärt Bitar. „Ein Syrer bot mir aber eine Partnerschaft an, um in Istanbul eines zu eröffnen. Unter den in Istanbul lebenden Syrern wurde es bald bekannt. Wir machten gutes Geld und eröffneten bald am anderen Ende der Straße ein zweites Restaurant.“

Die Zahl der Restaurants wie auch die der Partner erhöhte sich stetig. Mittlerweile gibt es Tarbuş-Restaurants auch in Yalova, Fındıkzade und Taksim, außerdem zwei Bäckereien in Fatih und Bayrampaşa, wo Lavash (ungesäuertes Fladenbrot) aus Weizenmehl hergestellt wird.

Die Bäckereien produzieren zudem 120 000 Pitabrote täglich und vertreiben diese über 490 verschiedene Verkaufsstellen. „Wir sind die erste Bäckerei in der Türkei, die Lavash aus Weizenmehl herstellt“, so Bitar. „Ich habe das Patent für das Pitabrotrezept beim türkischen Patentamt eingereicht und das Patent erteilt bekommen. Wir stellen jetzt sowohl das Brot als auch die dazugehörige Maschine her und verkaufen diese. Auch nach Algerien und in die Schweiz haben wir die Maschine verkauft und bald werden wir in den Export gehen.“

Angst vor dem langen Arm Assads

Bitar erklärt, dass 18 seiner Partner Syrer und davon 15 ebenfalls Flüchtlinge wären: „Wie auch immer: Die meisten wollen ihre Identität nicht preisgeben, weil sie Angst vor dem Assad-Regime haben.“

Täglich bewerben sich mindestens 20 bis 25 syrische Flüchtlinge in den Restaurants um Jobs. „Wir sind sehr dankbar für die Hilfe, die uns die türkische Regierung gibt“, so Bitar. „Aber ich wünschte mir, es gäbe mehr Jobangebote für syrische Flüchtlinge in der Türkei.“

In der Türkei leben derzeit etwa 1,6 Mio. syrische Flüchtlinge, etwa die Hälfte aller Flüchtlinge, die seit März 2011 Syrien verlassen haben. Etwa 220 000 davon leben in den 22 von der Regierung geführten Flüchtlingscamps, in denen auch Nahrung und lebensnotwendige Dienste angeboten werden. Die übrigen 1,38 Millionen Menschen leben außerhalb der Lager, die meisten sind darauf angewiesen, eigenständig ihr Überleben zu sichern.

Die türkische Regierung hat bislang vier Milliarden US-Dollar für die Versorgung der Flüchtlinge ausgegeben, darüber hinaus gibt es kostenlose medizinische Versorgung für die Betroffenen.

Partner wollen nach Ende des Krieges zurück

Zwei der Partner im Restaurant Bitars sind Yahya Küçük und Enes Behlevan, ebenfalls Syrienflüchtlinge, die bereits in den ersten Tagen des Bürgerkrieges geflohen sind. Auch Küçük hatte in Syrien ein Restaurant betrieben, nämlich im zehn Kilometer von Damaskus entfernten Qudssaya. Die Siedlung, in welcher er wohnte, sei von Regierungseinheiten bombardiert worden. Erst sei Küçük nach Ägypten geflohen, da er aber die Art und Weise nicht ertrug, in welcher dort mit den Flüchtlingen umgegangen wurde, sei er in die Türkei gegangen und sei ein Partner in Bitars Unternehmensgruppe geworden.

„Ich werde nach Syrien zurückgehen, wenn der Krieg zu Ende ist“, so Küçük. „Mein Geschäft in Istanbul werde ich aber weiterbetreiben.“

Behlevan wiederum besaß in Syrien einen Supermarkt. In einer Nacht wurden jedoch sowohl sein Markt als auch sein Haus durch Bomben zerstört. „Ich floh mit meiner Frau und zwei Töchtern in die Türkei. Ich habe hier einen Sohn. Die türkische Regierung hilft uns sehr, aber ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Kinder“, so Behlevan. „Wir würden hingerichtet werden, wenn wir zurück nach Syrien gingen, und in der Türkei können wir keine richtige Aufenthaltsgenehmigung erlangen, auch wenn wir Steuern bezahlen.“