Ein Mann trauert um ein totes Baby. Bei einem Chemiewaffen-Einsatz in einem Vorort östlich von Damaskus sollen mindestens 500 Menschen ums Leben gekommen sein.

Der arabische TV-Sender Al-Arabiya berichtet unter Hinweis auf syrische Aktivisten, dass bei einem C-Waffen-Einsatz in einem Vorort östlich von Damaskus mindestens 500 Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Es gibt keine offizielle Bestätigung dieser Information.

Von den massiven Angriffen mit Kampfflugzeugen, Raketen und Artillerie sollen am Mittwoch vor allem der Bezirk Al-Ghuta Al-Scharkija, der als Hochburg des Widerstandes gegen Präsident Baschar al-Assad gilt, sowie Moadhamijat al-Scham betroffen gewesen sein.

Die Menschenrechtsorganisation „Lokale Koordinationskomitees“ bestätigte bislang 30 Leichen, die in ein Feldhospital in Kafr Batna gebracht wurden, einige Kilometer östlich von Damaskus. Die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht von Dutzenden Menschen, darunter auch Kindern, die während der heftigen Bombenangriffe ums Leben gekommen wären.

Reuters hatte zuvor unter Hinweis auf den arabischen Sender gemeldet, dass Assad-treue Truppen C-Waffen eingesetzt haben sollen. Der Agentur zufolge gelingt es vorläufig nicht, die Meldung von Al-Arabiya zu überprüfen.

Die Regierung bestritt nach Angaben der staatlichen Medien zwar nicht die Angriffe, aber den Einsatz von Chemiewaffen. Die Nachrichtenagentur Sana schrieb: „Die TV-Kanäle, die an dem Blutvergießen in Syrien und der Unterstützung des Terrorismus beteiligt sind, veröffentlichen diese Berichte, die frei erfunden sind, um das Team, das den Einsatz von Chemiewaffen untersuchen soll, abzulenken, und somit den Erfolg seiner Mission zu verhindern.“

UN-Inspektoren mit beschränktem Mandat

Die Meldungen über einen neuen vermutlichen C-Waffen-Einsatz in Syrien fielen zeitlich mit der Ankunft der UN-Inspektoren in Damaskus zusammen. Derzeit befinden sich 20 UN-Inspektoren im Land, die Schauplätze angeblicher Giftgaseinsätze untersuchen sollen.

Das technische Team der UN unter Leitung des schwedischen Wissenschaftlers Ake Sellstrom ist mit einem UN-Konvoi am Montag in Damaskus eingetroffen und wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in einem Fünf-Sterne-Hotel untergebracht. Das Mandat der Mannschaft ist begrenzt, es soll lediglich festgestellt werden, ob chemische Waffen eingesetzt wurden, nicht aber, welche Seite sie eingesetzt habe. Auch hat ihnen die Regierung nur gestattet, drei Ortschaften zu besuchen, die vorher festgelegt wurden.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu hat inzwischen „tiefe Besorgnis” über die Berichte zum Ausdruck gebracht und eine unverzügliche Untersuchung der Chemiewaffenvorwürfe durch die UNO gefordert. (dpa/RIA Novosti/i24news/dtj)