Syrien: Oppositionschef nimmt seinen Hut – Assad tot?

Istanbul/Damaskus – Nach nur viereinhalb Monaten hat Syriens Oppositionsführer Muas al-Chatib (Foto) seinen Abschied vom Vorsitz der wichtigsten Plattform der Gegner des Regimes von Baschar al-Assad erklärt. In einer am Sonntag im Internet veröffentlichten Erklärung äußerte sich der moderate islamische Prediger enttäuscht über die Haltung der internationalen Staatengemeinschaft zum Syrienkonflikt.

Al-Chatib betonte auf seiner Facebook-Seite, Zerstörung, Vertreibung, Massenverhaftungen und andere Tragödien reichten offensichtlich nicht aus für eine internationale Entscheidung, die den Syrern die Selbstverteidigung erlaube. Die Opposition fordert schon seit langem Waffen und finanzielle Unterstützung der Aufständischen. In dieser Frage sind die internationalen Staaten aber zutiefst zerstritten.

Zugleich hob Al-Chatib hervor, dass die Entscheidungen im Syrienkonflikt nur von Syrern gefällt würden, von niemandem sonst. „Ich habe geschworen, zurückzutreten, wenn bestimmte rote Linien erreicht sind. Heute erfülle ich dieses Versprechen.“ Der Oppositionelle fügte hinzu, er wolle künftig freier arbeiten, als es innerhalb offizieller Institutionen möglich sei.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, rief indes die Vereinten Nationen auf, eine Waffenruhe in Syrien durchzusetzen. Der Sicherheitsrat müsse eine Resolution verabschieden und Friedenstruppen schicken, sagte er bei einem Vorbereitungstreffen der Außenminister vor dem am Dienstag geplanten Gipfel der Arabischen Liga in Katar. Uneinig waren sich die arabischen Staaten weiter darüber, ob die Nationale Koalition der syrischen Opposition künftig in dem Gremium vertreten sein soll.

Assad tot? – Zwischenfall an der Grenze zu Israel

Derweil kursieren im Internet Gerüchte über den Tod von Baschar al-Assad. Nachdem der israelische Blog JJSNews unter Berufung auf arabische Quellen verbreitete, dass Assad von seinem Bodyguard erschossen worden sei, wird in den sozialen Netzwerken, vor allem auf Twitter, heftig darüber diskutiert. Eine offizielle Bestätigung für das Ableben des syrischen Diktators gibt es aber nicht.

Am Wochenende gab es erneut einen Zwischenfall an der syrisch-israelischen Grenze. Eine israelische Patrouille auf den Golanhöhen sei von Syrien aus beschossen worden, teilte die Armee mit. Die Soldaten hätten das Feuer auf einen syrischen Armeeposten erwidert. Es habe auf der israelischen Seite weder Opfer noch Sachschaden gegeben. Ganz in der Nähe seien bereits am Samstag von Syrien aus Schüsse auf israelische Soldaten abgegeben worden.

Der zweijährige Bürgerkrieg in Syrien hat nach UN-Angaben bereits mehr als 70 000 Menschen das Leben gekostet. Allein am Wochenende kamen laut Aktivisten mindestens 210 Menschen ums Leben. Seit Beginn des Aufstandes gegen Präsident Assad seien 1,1 Millionen Menschen in die Nachbarländer geflohen. (dpa/dtj)