Im Jahr 2013, während des Bürgerkrieges in Syrien, entschloss sich der 23-Jährige Samar Abaza, wie Hunderte seiner Landsleute, das Land zu verlassen und sein Heil im Ausland zu suchen. Im Unterschied zu den 2,5 Millionen anderen syrischen Flüchtlingen entschloss sich Abaza einem Bericht von eurasianet.org zufolge, nach Abchasien zu gehen, einem weiteren umstrittenen Land am östlichen Schwarzen Meer.

Die de-facto-Regierung der abtrünnigen Kaukasus-Republik gibt an, seit 2012 bis zu 490 Syrer abchasischer Herkunft im Lande aufgenommen zu haben. Während sich einige Flüchtlinge gut in der neuen, subtropischen Umgebung zurechtfinden, tun sich andere mit der Umstellung schwer. Die meisten Rückkehrer sind Nachkommen der Makhadjiri (Auswanderer), überwiegend muslimische Aufständische, die sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts, verfolgt von den Russen im Nordkaukasus, unter den Schutz des Osmanischen Reiches begaben.

Der lange Prozess der Rückkehr

Nach der Loslösung von Georgien im Jahre 1992 begann Abchasien mit einer Rückführung der in der Diaspora lebenden ethnischen Abchasen, um die Bevölkerung dieser Region zu stärken, die durch die Massenauswanderung während des Konfliktes zwischen ethnischen Georgiern und abchasischen Separatisten in Tiflis (Tbilisi) 1992-1994 stark dezimiert worden war.

Heute machen die ursprünglichen Abchasen etwas mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung aus, die nach eigenen Angaben ca. 240 700 beträgt. Die Flüchtlinge aus Syrien in eine Umgebung mit hoher Arbeitslosigkeit und niedrigem Lebensstandard zu bringen, ist schon eine Herausforderung, es sei denn, man steht vor der Alternative Flüchtlingscamp. „Die Situation in Syrien beschleunigt die Entscheidung der Menschen“, schlussfolgert Gitsba, der Vorsitzender des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten für Nahost und die Türkei. „Sie haben immer daran gedacht, in ihre Heimat zurückzukehren.“

Gitsba hat zwei Reisen nach Syrien unternommen und schätzt, dass noch ungefähr 5000 ethnische Abchasen in Syrien leben, obwohl auch er einräumt, dass es schwer ist, eine genaue Ziffer zu benennen. Im Unterschied zur Türkei gibt es in Syrien keine abchasischen Organisationen, da Abchasen typischerweise immer gemischt mit anderen Gemeinschaften aus dem Nordkaukasus zusammen leben.

Freundliche Signale aus Russland

Persönlichkeiten aus lokalen Gemeinschaften haben das Angebot auf Ausreise an die Abchasen weitergegeben. Nach Angaben des abchasischen Quasi-Außenministers, Irakli Khintba, hat sich auch Russland eingeschaltet, einen Charterflug von Beirut nach Sotschi organisiert und dabei den Preis für ein russisches Visum um das Sechsfache ermäßigt. Da Abchasien über keinen funktionierenden Flughafen verfügt, wurden die Rückkehrer nach Sotschi geflogen und danach mit Bussen nach Suchumi in ein Hotel gefahren.

Um den Flüchtlingen bei ihrem Start in Abchasien zu helfen, hat die abchasische Quasi-Verwaltung einen Rückführungsfonds aufgelegt, der seit 2012 rund 1,5 Millionen $ für Unterbringung, Bildung und finanzielle Unterstützung der Flüchtlinge ausgeschüttet hat. Heute leben alle Flüchtlinge in Suchumi und Umgebung in Mietwohnungen und erhalten ein monatliche Unterstützung von 10 000 Rubel (280 $). Örtliche Hilfsorganisationen beschweren sich bereits über die Höhe dieser Zuwendungen und beklagen eine finanzielle Unterversorgung, beispielsweise auf dem Gebiet der medizinischen Versorgung von psychisch Benachteiligten und Rentnern.

Der viel diskutierte Status Abchasiens beunruhigt die meisten Abchasen indessen nicht. Sie kommen von den Golan-Höhen, einem ursprünglich syrischen Gebiet, das 1967 von Israel annektiert wurde, und sind dadurch ganz andere Auseinandersetzungen gewohnt. Der 26-jährige Aws Marshan glaubt, dass die Anerkennung Abchasiens durch Russland im Jahr 2008 positiv dazu beiträgt, die Abchasen aus Syrien in ihr Heimatland zurückzubringen.