Syrische Flüchtlinge bedanken sich bei Merkel.
Syrische Flüchtlinge bedanken sich bei Merkel.

„Es ist eine christliche Kanzlerin und die christlichen Länder, die uns ihre Türen öffnen, während unsere muslimischen Brüder und Länder dabei zuschauen“, lautet ein Facebook-Post eines wütenden arabischen Bürgers. Er ist nicht der einzige, der diese Meinung vertritt.

„Die Regierenden der Golfstaaten eifern um die Wette, die westlichen Politiker zufrieden zu stellen und vergessen dabei ihre eigenen Bürger“ oder „Wo seid ihr, oh ihr Araber? Ihr seid wie Hunde vor dem Westen. Das Volk floh aufgrund von Hunger und Armut. Sie flohen in den Tod. Ein Vater nahm seine Kinder und floh. Doch das Kind landete tot auf dem Strand wie ein schlafender Engel und die Schuld daran tragen die Araber! Wo seid ihr, oh ihr Araber? Wo ist euer Versprechen, ihr Araber? Die Menschlichkeit der gesamten Araber ist gestorben.“ Dies sind einige von zahlreichen Einträgen arabischer Bürger, die ihre Regierenden zum Eingreifen auffordern.

Je größer die Wut gegenüber den eigenen Regierenden, umso stärker die Dankbarkeit gegenüber den europäischen Ländern, vor allem Deutschland, dem Land, von dem sich die Flüchtlinge am meisten erhoffen. Auf Facebook wurde sogar eine Seite gegründet, in der die syrischen Flüchtlinge Merkel ihre Dankbarkeit ausdrücken. „Wir lieben dich“ steht unter Merkels Kopf. Im Hintergrund die deutsche Flagge. Der Grund für die Dankbarkeit ist aber vor allem auch das Aussetzen des Dublin-Verfahrens. Sie müssen nicht mehr in das erste EU-Land, in dem sie als erstes registriert wurden. Die Syrer bedankten sich bei der „mitfühlenden Mutter“ und posten ihre Bilder zahlreich auf Facebook und Twitter. Mit dem Hashtag #MerkelDieÄthiopierin wurden Anspielungen auf den äthiopischen christlichen König Negus gemacht, welcher zu Lebzeiten des Propheten Muhammads muslimische Flüchtlinge in seinem Reich Asyl gewährte.

Golfstaaten haben keinen einzigen syrischen Flüchtling aufgenommen

Auch ein Video, in dem syrische Flüchtlinge in einem Bus mit Blumen und Willkommensplakaten in einer nordrhein-westfälischen Stadt begrüßt wurden, wurde mehrfach geteilt. „Ich habe Tränen in den Augen. Die Deutschen sind barmherziger als unsere arabischen Brüder.“

Und dabei haben sie nicht ganz Unrecht. Während arme Länder wie der Libanon , Jordanien oder Sudan mehrere Hunderttausende bis Millionen Syrer aufnahmen, ist die Kritik gegenüber den Golfstaaten besonders groß. Einem Bericht von Amnesty International zufolge haben Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Kuwait, Oman und Bahrain keinen einzigen syrischen Flüchtling aufgenommen.

Zudem sorgte das Schweigen der Mehrheit der arabischen Politiker über den Tod des kleinen Aylan Kurdi für große Proteste im Netz. Während viele westliche Nationalspieler und Fußballvereine eine Schweigeminute für die verstorbenen Flüchtlinge im Meer hielten, kam keine Reaktion von den arabischen Fußballspielern.