Muslimisch, dunkelhäutig und weiblich: Eigentlich zu viele Hindernisse, um erfolgreich in den USA und vor allem in der Medienwelt zu sein. Tahera Rahman hat trotzdem gekämpft und ist jetzt die erste US-Moderatorin mit Kopftuch.

Tahera Rahman ist gerade einmal 27 Jahre alt und hat etwas geschafft, was derzeit in Deutschland vermutlich kaum machbar wäre: Rahman ist die erste Moderatorin in den USA mit Kopftuch. Beim Lokalsender WHBF in Illinois darf die Journalistin mit pakistanisch-indischen Wurzeln nun die Nachrichten moderieren und geht auf Live-Schalte ohne dabei ihr Kopftuch ablegen zu müssen.

Sie werde tagtäglich mit der Thematik konfrontiert, sagt sie in einem Interview mit der Huffington Post. Das nehme sie humorvoll entgegen: „Ich mache mir viel mehr Gedanken darüber, was ich am nächsten Tag auf der Arbeit machen muss, welche Menschen ich interviewe und was ich am Abend esse. Aber mein Vater erinnert mich daran, dass ich mich jeden Tag darüber vergewissern sollte, wo ich derzeit bin, was ich tue und mich dafür bei Gott bedanke.“ 
Instagram/taheratv

Muslimisch, dunkelhäutig und weiblich: Tahera ist ihren Vorbildern gefolgt

Aufmerksam macht Rahman auch darauf, dass sie nicht nur durch ihre religiöse Zugehörigkeit zu einer Minderheit gehört, sondern auch dadurch, dass sie dunkelhäutig und  eine Frau zugleich ist. Sie habe sich deshalb immer Frauen mit ähnlichen  Ausgangssituationen als Vorbild genommen: „Viele dieser Frauen haben mich inspiriert und mich auch unterstützt.“
Instagram/taheratv
Sie habe schon viele Hassbotschaften erhalten, hätte aber versucht diese zu ignorieren: „Es gibt immer Menschen, die ihre Meinungen nicht ändern werden- egal, was du ihnen erzählst oder wie nett du bist. (…) Ich glaube nicht, dass man denken muss, jedem auf dieser Welt klarzumachen, man sei gut, genial oder `normal`.“
Sie habe immer in dem Glauben gehandelt, dass andere Menschen denjenigen kein Gehör schenken, die einen verunglimpfen wollen, wenn man selbst als ein guter Mensch ist und versucht das Richtige zu tun.

Muslime haben Angst in die Medienwelt zu gehen

Taher Rahman glaubt, dass die meisten Redaktionen versuchten, die Gesellschaft, in der
man lebt, widerzuspiegeln: „Dass es in den Redaktionen aber nicht tatsächlich so ist, ist nicht die Schuld einer Einzelperson, sondern ein Effekt des Zusammenkommens mehrerer Faktoren. Ich möchte nicht für alle Muslime sprechen, aber ein Teil der Problematik liegt daran, dass viele Muslime zögerlich im Bezug darauf sind, in die Medienwelt zu gehen. Zu den erwähnten Faktoren gehört, dass viele Menschen aus unserer Community nach den Ereignissen vom 11. September sich in den Medien benachteiligt fühlen und seit dem Journalisten nicht trauen.“

Vielfalt in den deutschen Medien?

Wie sieht es in Deutschland mit Medienvielfalt aus? Etwa jeder fünfte Einwohner in Deutschland hat eine Zuwanderungsgeschichte. Deutschland hat also eine bunte Gesellschaft. Aber spiegelt sich die Vielfalt der deutschen Einwanderungsgesellschaft auch in den Redaktionsräumen wieder?
Bislang gibt es nur wenige Untersuchungen zum Thema. Laut Schätzungen gibt es aber lediglich zwei bis drei Prozent Journalisten mit Migrationshintergrund in Deutschland.
„Um die kulturelle Vielfalt in deutschen Medien zielgerichtet steigern zu können, sind verlässliche Kenntnisse sowohl über Erwartungen junger Menschen mit Migrationshintergrund an den Journalistenberuf als auch über Einstellungen des Medienmanagements zur Beschäftigung von Journalisten mit Einwanderungsgeschichte wichtig“, schreibt der Kommunikationswissenschaftler Horst Pöttker in einem Gastbeitrag für Mediendienst-Integration. Dennoch glaubt Pöttker, dass auch Menschen mit Migrationshintergrund teils daran mitverantwortlich sind: „Viele streben sozialen Aufstieg über akademische Berufe wie Arzt oder Ingenieur an. Und Programme zur Ausbildung von Journalisten mit Migrationshintergrund werden aufgelegt, ohne zu prüfen, ob und wo es überhaupt Medienbetriebe gibt, die gezielt an ihrer Beschäftigung interessiert sind. Diese vernachlässigten Fragen hängen zusammen, weil die Motivation junger Menschen mit Migrationskontext, den Journalistenberuf zu ergreifen, häufig an die realistische Aussicht gebunden ist, eine Beschäftigung zu finden, die Sicherheit und sozialen Aufstieg verspricht.“