Die Türkei bezieht sein Erdgas größtenteils aus dem Ausland. Neben Russland und dem Iran hat die Türkei Verträge auch mit Aserbaidschan geschlossen. Der türkische Rechnungshof hat jetzt herausgefunden, dass die Türkei 2,735 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus dem Land bislang nicht bezogen hat, obwohl das Land dafür bezahlt hat. Das Erdgas kann aber bis 2016 bezogen werden. Sollte die Türkei das Erdgas nicht abnehmen, drohen dem Land Milliardenschäden.

Ankara hat mit seinen Zulieferern Knebelverträge geschlossen. Diese laufen nach dem Prinzip „Take or Pay“ ab. Das Land verpflichtet sich eine bestimmte Menge Erdgas zu einem bestimmten Preis zu abzunehmen. Auch wenn das Land dann weniger abnimmt, muss es aber dennoch den vollen Preis zahlen. Warum die Türkei die noch offene Menge nicht bezogen hat, ist unklar.

In der jüngeren Vergangenheit waren die Energiepreise in der Türkei immer wieder gestiegen, was zu Kritik an der Regierung geführt hat. Hätte man das Erdgas beispielsweise aus Aserbaidschan bezogen, wären die Preise für den türkischen Verbraucher gesunken, werfen Kritiker Ankara vor.

Für Verwirrung sorgte ebenfalls, warum das Land Erdgas aus dem Iran und Russland bezieht, obwohl das von Aserbaidschan viel günstiger ist. Zwischen Januar und März 2015 kostet der Kubikmeter aus dem Iran 431 Dollar und aus Russland 377 Dollar. In Aserbaidschan kostet das Erdgas dagegen 290 Dollar. An den Verhandlungen nehmen die Unternehmen BOTAŞ (Türkei), Gazprom (Russland), NIGC (Iran) und SOCAR (Aserbaidschan) teil.