Tayfun Korkut wurde gestern als neuer Cheftrainer bei Hannover 96 vorgestellt und möchte mit den Niedersachsen die Saison zunächst problemlos beenden.

Am letzten Tag des Jahres 2013 gab der Fußball-Bundesligist Hannover 96 die Verpflichtung von Tayfun Korkut als neuen Cheftrainer bekannt. Diese Personalentscheidung kam überraschend und wurde öffentlich mit viel Skepsis betrachtet, da der 39-jährige Fußball-Lehrer bisher noch keine Profimannschaft trainiert hat. Doch auf der gestrigen Pressekonferenz, auf der Korkut offiziell vorgestellt wurde, lobte besonders 96-Sportchef Dirk Dufner den gebürtigen Stuttgarter, der sehr viel Kompetenz mitbringe. Auch in Klub-Chef Martin Kind, Bundestrainer Joachim Löw und selbst in seinem Vorgänger Mirko Slomka hat der neue Trainer der Hannoveraner prominente Befürworter. Korkuts Primärziel sei es zunächst eine ruhige und problemlose Rückrunde zu spielen.

Tayfun Korkut ließ sich bei seiner gestrigen Vorstellung in Hannover die Show nicht stehlen. Mit purer Entschlossenheit stellte er sich den Fragen der Medienvertreter und wirkte auffällig gelassen und souverän. Beim derzeitigen Krisen-Klub aus der niedersächsischen Landeshauptstadt geht der Deutsch-Türke seine neue Aufgabe mit sehr viel Selbstvertrauen an und „will diese Chance mit aller Gewalt nutzen“. Der ehemalige türkische Nationalspieler deutete bereits an, wie er „die Roten“ aus dem unteren Tabellendrittel wieder befreien möchte: „Ich möchte eine mutige, zielstrebige, aktive Mannschaft sehen. Ich will Solidarität in der Mannschaft sehen. Wenn wir das hinbekommen, können wir erfolgreich sein.“

Im selben Lehrgang mit Gisdol, Weinzierl und Lewandowski

Silvester hatte Korkut, der zum „goldenen Fußball-Lehrer-Jahrgang 2011“ gehört, einen Vertrag bis 2016 unterzeichnet. In Köln gehörte er vor drei Jahren dem selben Lehrgang wie etwa Markus Gisdol, Markus Weinzierl und Sascha Lewandowski an. Gisdol und Weinzierl befinden sich mit ihren Mannschaften aus Hoffenheim und Augsburg momentan im Aufwärtstrend. Lewandowski bildete mit Sami Hyppiä in Leverkusen ein erfolgreiches Trainergespann. Nun betritt also Korkut die höchste Fußballbühne in Deutschland und gilt als besonders talentierter Jung-Trainer, der in den Jugendabteilungen von 1899 Hoffenheim und dem VfB Stuttgart bereits gute Arbeit geleistet hat. Bundestrainer Joachim Löw trainierte den neuen Hoffnungsträger der 96er einst bei Fenerbahçe und ist sich sicher, dass Korkut „seinen Weg machen“ wird. „Tayfun ist fachlich kompetent, da er mit großen Trainern gearbeitet und in verschiedenen Ländern gespielt hat“, äußerte sich Löw gegenüber der „Bild-Zeitung“.

„Junger, ehrgeiziger, fleißiger Trainer“

Hannover 96 startet am Sonntag in die Vorbereitungen auf die Rückrunde und fliegt in der kommenden Woche ins Trainingslager nach Belek, also ausgerechnet in das Heimatland des neuen Trainers. Auf das Vertrauen der Klubführung kann sich der Türke jedenfalls verlassen: „Er ist ein junger, ehrgeiziger, fleißiger, eloquenter Trainer. Tayfun bringt alles mit. Diese Verpflichtung war klar perspektivisch motiviert“, betonte Dirk Dufner auf der gestrigen Pressekonferenz. Auch Martin Kind steht hinter dieser mutigen Entscheidung: „Er hat seine Karriere genau geplant – mit klaren Zielen und Visionen. Das ist der nächste logische Schritt.“ In Hannover erwartet Korkut bei seinem Debüt als Profi-Trainer garantiert eine anspruchsvolle Aufgabe. Insbesondere die akute Auswärtsschwäche bereitet den 96-Fans enorme Kopfzerbrechen. Ein konkretes Ziel wollte er auf Nachfrage zunächst nicht definieren und lässt seinen neuen Job erst einmal auf ihn zukommen: „Ich muss mit der Mannschaft auf den Weg gehen, ich weiß nicht, wo dieser Weg enden wird. Wir wollen vor allem eine ruhige Saison spielen und die Fans begeistern. Ich kann es gar nicht erwarten, dass es endlich losgeht.“

Austausch mit Vorgänger Slomka

Trainergrößen wie Joachim Löw, Vicente del Bosque und Carlos Alberto Parreira seien die Vorbilder des dreifachen Familienvaters, dessen Familie momentan in Istanbul lebe und erst in einigen Monaten nachkommen werde, weil dieser sich „zunächst ganz auf die Arbeit konzentrieren“ müsse. Korkut, der seine aktive Profi-Laufbahn bei den Stuttgarter Kickers begann und nachfolgend bei Fenerbahçe (1995-2000), Real Sociedad San Sebastian (2000-2003), Espanyol Barcelona (2003-2004) und Beşiktaş (2004-2006) spielte, beendete im Sommer 2006 seine Karriere bei Genclerbirliği, und habe sich auch schon mit seinem Vorgänger Mirko Slomka ausgetauscht. „Ich hatte ein sehr gutes, tolles Gespräch mit Mirko. Er hat mir gratuliert und seine Hilfe angeboten“, sagte Korkut, der zudem bestätigte, dass er eigentlich als Co-Trainer für Slomka vorgesehen war und schmunzelnd berichtete, dass er eine SMS von ihm erhalten habe, in der er ihn auffordere, sich zum Essen einzuladen. Vielleicht gibt der Vorgänger seinem Nachfolger dann gute Ratschläge mit auf den Weg. Korkut feiert sein Bundesliga-Debüt am 25. Januar beim Auswärtsspiel gegen den Lokalnachbarn VfL Wolfsburg.