Bei einem Terroranschlag im Südosten der Türkei sind am Freitag mindestens elf Polizisten getötet wurden. Weitere 78 Menschen wurden nach Angaben türkischer Behörden verletzt, als ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen gegen 06.40 Uhr Ortszeit (05.40 MEZ) an einem Kontrollpunkt nur etwa 50 Meter vor dem Gebäude der Bereitschaftspolizei am Stadtrand von Cizre explodierte. Das dreistöckige Polizeigebäude glich nach der Detonation einer Ruine, wie Fernsehbilder zeigten. Ein Materiallager stand in Flammen. Das Gouverneursamt der Provinz sprach umgehend von einem Anschlag der Terrororganisation PKK. Premierminister Binali Yıldırım bestärkte diese Auffassung: „Es gibt keinen Zweifel, dass dieser hinterhältige Angriff der separatistischen Terrororganisation PKK zuzurechnen ist“, sagte er türkischen Medien. Die Rundfunkbehörde RTÜK hat direkt nach dem Anschlag eine Nachrichtensperre verhängt.

Erst am Vortag war im Nordosten des Landes der Konvoi von Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu angegriffen worden. Dabei wurden drei Soldaten verletzt, einer von ihnen tödlich. Kılıçdaroğlu, Vorsitzender der kemalistischen Republikanischen Volkspartei CHP, blieb bei dem Anschlag in der Nordostprovinz Artvin unversehrt.

Der neue Anschlag auf die Polizei in Cizre reiht sich ein in eine Terrorwelle, die das Land derzeit erschüttert. Vor einer Woche hatte sich ein Selbstmordattentäter mit einem Auto vor dem Polizeipräsidium der Stadt Elazığ in die Luft gesprengt und drei Polizisten mit in den Tod gerissen, Dutzende Menschen wurden verletzt. Noch am selben Tag wurden bei einem Sprengstoffanschlag auf einen Militärkonvoi drei Soldaten und ein Dorfschützer getötet.

Am Montag derselben Woche hatte die PKK bei einem Autobombenanschlag auf ein Gebäude der Verkehrspolizei in Diyarbakır sieben Menschen getötet, fünf Polizisten und zwei Zivilisten, darunter ein Kind. Wie heute in Cizre waren auch in Elazığ und Diyarbakır die Explosionen derart heftig, dass die Gebäude komplett zerstört wurden. Bereits in der Vorwoche wurden bei zwei beinahe zeitgleichen Anschlägen in Diyarbakır und Mardin sieben Menschen getötet und 54 teils schwer verletzt.

Beim schlimmsten Terroranschlag der vergangenen Tage waren in Gaziantep im Südosten der Türkei mehr als 50 Teilnehmer einer kurdischen Hochzeitsfeier getötet worden. Für diese Attacke machte die Türkei die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich. Drei Tage nach dem Anschlag in Gaziantep überquerte die türkische Armee die Grenze nach Nordsyrien, nahm zusammen mit Kämpfern der Freien Syrischen Armee die seit gut zwei Jahren vom IS kontrollierte syrische Grenzstadt Dscharablus ein und geht nun gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG vor, denen Ankara vorwirft, der syrische Arm der PKK zu sein. (dpa/ dtj)