Bei Terroranschlägen kommen immer Menschen zu Schaden. Zurück bleiben häufig nur die Statistiken; so viele Menschen sind gestorben, so viele sind verletzt worden. Doch hinter jedem Opfer verbirgt sich eine Geschichte. Besonders tragisch bei den Opfern vom Samstag: Sie waren noch sehr jung. So wie Medizinstudent Berkay Akbaş (19) und Polizist Nazif Emre Horoz (23).

Berkay hätte eigentlich gar nicht in Istanbul sein sollen. Spontan entschied er sich mit seinen Uni-Freunden aus Ankara, in die Millionenmetropole am Bosporus zu fahren. Es sollte sein vorletzter Ausflug sein. Für ihn ging es am Sonntag nicht nach Ankara, sondern in seine Heimat Sinop an die Schwarzmeerküste.

Der Sarg des jungen Studenten war nicht nur von der türkischen Flagge umhüllt, sondern auch mit den Farben der Istanbuler Fußballmannschaft Fenerbahçe. Berkay war ein leidenschaftlicher Fan der „Kanarienvögel“, wie der erfolgreiche Istanbuler Klub auch genannt wird. Geschockt von dem feigen Anschlag nahm die Familie unter Tränen Abschied von ihrem geliebten Sohn.

Ziel des ersten Anschlages waren vor allem Polizisten, die für die Sicherheit bei dem Süper Lig-Spiel zwischen Beşiktaş und Bursaspor verantwortlich waren. Einer von den insgesamt 36 umgekommenen Polizisten war Nazif Emre Horoz. Neben Berkay starben außerdem sieben Zivilisten.

Nazif lebte mit seiner Frau in Istanbul. Wie sie stammte er aus Konya. Neben dem Eheglück waren es vor allem ihre Zwillingstöchter, um die sich alles im Hause Horoz drehte. Die sechs Monate alten Erva und Elif müssen jetzt auf ihren Vater verzichten. Er wird abends nach seiner Schicht nicht mehr nach Hause kommen und sie in den Arm nehmen.

In den vergangenen 18 Monaten sind bei 33 Anschlägen 446 Menschen umgekommen, davon 363 Zivilisten. Es ist schwer, sich die einzelnen Schicksale zu merken. Wir sollten es dennoch versuchen. Menschen sind keine Nummern. Das sollten wir uns immer in Erinnerung rufen.