Wie weit reicht der lange Arm des türkischen Staatspräsidenten? Mit diesem Thema befasst sich der Buchautor Matthias P. Gibert in seinem packenden Thriller-Krimi „Tödlicher Befehl“. Beim Lesen ist höchste Konzentration geboten, um die fiktiven Handlungen von der Realität unterscheiden zu können. 

„Ich bin […] Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes und wurde von meinem Staatspräsidenten persönlich damit beauftragt, den in Kassel lebenden Okan Schulze zu ermorden.“

Wer sich auch nur am Rande mit der aktuellen türkischen Politik beschäftigt, der wird hellhörig wenn der Name des türkischen Geheimdienstes fällt. Denn die türkische Regierung macht keinen Hehl daraus, dass der türkische Geheimdienst in knapp 20 Ländern rund 80 Personen entführt hat. Der uns am nächsten liegende Fall spielte sich im Kosovo ab. Mitten in Europa haben türkische Agenten Menschen entführt. Szenen wie aus einer Hollywood-Verfilmung. Doch in Wirklichkeit stammt dieser fiktive Satz aus dem neuen Thriller „Tödlicher Befehl“ des hessischen Autors Matthias P. Gibert. Gibert schafft eine fiktive Superlative, während er zugleich eine Nähe zur Realität herstellt, in dem er auf einfache Fakten zurückgreift. Dass in seinem Buch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan der Auftraggeber eines Mordes an einem türkeistämmigen deutschen Politiker ist, macht dieses Buch so real. Dass all diese kaltblütigen Handlungen auch in der Realität genau so passieren können, scheint nämlich nicht mehr in der Ferne zu liegen. Folgerichtig ist dieses Buch kein Kriminalroman – woran viele Elemente dennoch erinnern- sondern ein waschechter Thriller.

Ein Mordfall wird zum Problem der deutsch-türkischen Beziehungen

„Tödlicher Befehl“ erzählt die Geschichte eines Türkeistämmigen und gleichzeitig Türkei-kritischen Politikers namens Okan Schulze. Dieser bringt sein altgedientes Auto in die Werkstatt eines engen Freundes, der mit seiner kleinen Tochter den Wagen auf Probe fährt und dabei einen verheerenden Unfall macht. Nach der Recherche von zwei aufmerksamen Kommissaren wird klar, dass dies kein normaler Unfall war. Demnach war das Auto manipuliert worden. Doch wer war dafür verantwortlich und vor allem: wer was das Ziel des Anschlags? Ein toter türkischer Geheimdienstmitarbeiter, der zur fast selben Zeit in einem Appartement tot aufgefunden wird, bringt die Kommissare auf eine heiße Spur, die nicht nur die Täter auf die Rage bringt, sondern auch die obersten Etagen des polizeilichen Apparats. Schließlich ist der Fall hochexplosiv für die bilateralen deutsch-türkischen Beziehungen.


Matthias P. Gibert, 1960 in Königstein im Taunus geboren, lebt seit vielen Jahren mit seiner Frau in Nordhessen. Nach einer kaufmännischen Ausbildung baute er ein Motorradgeschäft auf. 1993 stieg er komplett aus dem Unternehmen aus und orientierte sich neu. Seit 1995 entwickelt und leitet er Seminare in allen Bereichen der Betriebswirtschaftslehre. Mit seiner Frau erarbeitete er ein Konzept zur Depressionsprävention und ist mit diesem seit 2003 sehr erfolgreich für mehrere deutsche Unternehmen tätig. Seit 2009 ist er hauptberuflich Autor. (Darstellung des Verlags)


Abwechselnde Kapitelperspektiven machen den Thriller spannender

Durch eine einfache Sprache und den zwei sympathischen Kommissaren als Protagonisten macht Gibert den Fall für jedermann lesbar. Die abwechselnden Kapitel aus der Sicht von unterschiedlichen Protagonisten unterstützt dies zusätzlich. Abwechselnd wird die Geschichte aus der Perspektive der Kommissare Pia Ritter & Thilo Hain, des türkischen Geheimdienstlers Hakan Durmus und des Türkei-kritischen Politikers Okan Schulze erzählte. Das System Giberts bringt den Leser nicht durcheinander, sondern macht die Geschichte dadurch flüssiger.

Gibert hat sich einer hochaktuellen, explosiven, aber auch riskanten Thematik gewidmet. Für jene, die sich mit der Türkei-Politik befasst haben, könnten deshalb viele Passagen für Verwechslungen mit der Realität sorgen.

Das Buch zeigt sehr packend, wie riskant die Situation für in Deutschland Lebende, von der Türkei als oppositionell eingestufte Deutsch-Türken sein kann. Man muss nur eins und ein zusammenzählen können, um die großen Bezüge zur Realität herzustellen. Und genau das macht Angst. Umso wichtiger ist es, dass sich ein Autor mit dieser Thematik auseinandersetzt und die Gefahr zwar fiktiv, aber eben spürbar rüberbringt.