An der Universität Duisburg-Essen stellte Arhan Kardaş (Foto) jüngst sein neues Buch über die Aleviten und Bektaşis und deren Glaubensvorstellungen vor. Anschließend diskutierte der Autor mit Prof. Dr. Gaby Herchert und Şafak Öztürk über diese wichtige Strömung im Islam. Veranstalter war Ruhrdialog e.V.

Das neue Werk mit dem Titel „Der Lehrmeister der Aleviten & Bektaschis: Leben, Regeln und Werke von Hacı Bektas Veliumfasst mehr als 200 Seiten und gilt als die erste deutschsprachige Veröffentlichung über Aleviten und Bektaşis. So las der Autor Arhan Kardaş, Chefredakteur des Main-Donau-Verlags und der Zeitschrift Fontäne, an diesem Abend aus seinem Buch vor und erzählte über dessen Entstehung. Kardaş beschreibt darin die Lehren des Bektaşi-Ordens und die Rangstufen, die ein Mensch nach alevitischer Überzeugung durchlaufen muss, um zur Selbsterkenntnis zu gelangen.

Hacı Bektaş Veli als bedeutende Sufi-Persönlichkeit

Dem Impulsvortrag des Autors schloss sich eine Podiumsdiskussion an, an der neben Kardaş auch noch Prof. Dr. Gaby Herchert von der Universität Duisburg-Essen und Şafak Öztürk, Lehrer und Experte für Religionsgeografie, teilnahmen.

Interessante Einblicke in das Alevitentum und die Bektaşi-Lehre ermöglichten auch die weiteren Ausführungen von Arhan Kardaş. Er sieht Hacı Bektaş Veli als herausragende Persönlichkeit der sufistischen Tradition an, die durch ihr Toleranzverständnis und die Systematisierung der Rangstufen eine breite Anhängerschaft gefunden hat.

Şafak Öztürk wiederum berichtete von seinen Erfahrungen und Austauschen mit Bektaşi-Anhängern auf dem Balkan. Noch immer steht der Name Hacı Bektaş Veli für ein weites Toleranzverständnis und den Respekt gegenüber allen Menschen. „Hacı Bektaş Veli und seine Anhänger unterschieden nicht zwischen Völkern und Religionszugehörigkeiten“, erklärt Öztürk. „Es gibt an vielen Orten auf dem Balkan Armenküchen, die zu Zeiten des Hacı Bektaş Veli eingerichtet wurden und heute immer noch intakt sind.“

Wechselwirkungen christlicher und islamischer Mystik

Eine Bereicherung für die Podiumsdiskussion waren auch die Beiträge Prof. Dr. Gaby Hercherts. Die Professorin für Germanistik und Mediävistik ist Expertin für Fremdheitsbilder und den interkulturellen Austausch im Mittelalter. Sie betonte: „Schon immer gab es einen Austausch zwischen dem Orient und dem Abendland. Auch Lehren und Philosophien beeinflussten sich gegenseitig.“ Anschließend verglich sie Hacı Bektaş Veli mit dem Philosophen und Mystiker Meister Eckhardt und beschrieb, dass es auch in Europa asketische Bewegungen gab, die in den Lehren mit denen der Sufis vergleichbar seien.

Zum Abschluss der Veranstaltung öffnete die Moderatorin die Diskussion zum Abschluss für die Publikumsfragen. Dabei ging es auch um aktuelle Themen, wie beispielsweise die Anerkennung der Cem-Häuser als Gebetsstätten oder das friedliche Zusammenleben von verschiedenen Glaubensgemeinschaften in der Türkei. Safak Öztürk antwortete darauf eindeutig: „Ich denke, auch diese Häuser müssen ebenso wie Kirchen und Moscheen als Gebetshäuser anerkannt und respektiert werden.“