Screenshot: DHA

Seit dem Putschversuch 2016 werden in der Türkei mutmaßliche Anhänger des im US-Exil lebenden muslimischen Gelehrten Fethullah Gülen verfolgt. Zahlreiche Zivilisten wurden wegen angeblicher Beteiligung am Putschversuch vom 15. Juli 2016 verhaftet und warten oft noch auf eine Anklageschrift.

Die türkische Regierung wirft dem 76-jährigen Fethullah Gülen und seinen Anhängern vor, den gescheiterten Putschversuch arrangiert zu haben. Gülen selbst und ihm nahestehende Vereine weisen diesen Vorwurf von Anfang an strikt zurück. Mehr sogar, sie fordern eine unabhängige internationale Untersuchungskommission zur Überprüfung der Hintergründe des Putschversuchs: „Falls ein Zehntel der gegen mich erhobenen Anschuldigungen zutreffen sollten, verpflichte ich mich, in die Türkei zurückzukehren und die härteste Strafe hinzunehmen“, schrieb Gülen in einem Gastbeitrag für die französische Tageszeitung „Le Monde“ im August 2016. Eine solche Kommission hat in der türkischen Regierung keine Beachtung gefunden. Stattdessen geht die türkische Regierung auch heute noch weiter gegen seine Anhänger vor. 

Zuletzt traf es 88 Menschen in der an der Mittelmeerküste gelegenen türkischen Stadt Mersin. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi mit Berufung auf die Türkische Staatsanwaltschaft in Mersin berichtet, seien 88 Menschen in Untersuchungshaft genommen worden. Grund für die Festnahme sei der Versuch neue Mitglieder zu rekrutieren, sowie Spenden für Familien der wegen des Putschversuchs inhaftierten Menschen zu sammeln. Nach Angaben der türkischen Regierung sind seit dem Putschversuch 2016 über 41.000 Menschen festgenommen worden. Knapp 150.000 Menschen wurden vom Staatsdienst entlassen.

Vorwurf: Spenden sammeln 

Bei der Razzia in Mersin seien 111 Wohnungen und zwei Nachhilfevereine durchsucht worden. Wie Anadolu berichtet, hätten die festgenommen Verdächtigen Spenden für die wegen des Putschversuchs inhaftierten Menschen gesammelt. Es seien umgerechnet knapp 54.000 Euro gefunden worden. Acht weitere Personen seien noch auf der Flucht. 

Folter in U-Haft? 

Dem DTJ wurden vertrauliche Aufzeichnungen von Augenzeugen zugespielt. Die Redaktion hat Aufgrund der unmöglichen Recherchelage in der Türkei keine Gelegenheit die Aufzeichnungen auf Echtheit zu überprüfen. Aber die Redaktion kommt zu dem Ergebnis, dass es sich um authentische Informationen handelt. Demnach sollen sich unter den Festgenommenen auch Abiturientinnen sowie Studierende befinden und gefoltert worden sein. Anerkannte Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International behaupten bereits seit mehreren Jahren, dass Gefangene in der Türkei gefoltert werden. Auch exklusive Recherchen des DTJ belegen zahlreiche Indizien von Folter in türkischer Untersuchungshaft. Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter der DTJ-Rubrik „Stimme der Folter„.