Touristenboom in der Türkei

Berlin – Der Tourismus in der Türkei boomt. Nach Prognosen der deutsch-türkischen Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (Tavak) werden in diesem Jahr fast 5,4 Millionen Deutsche in die Türkei reisen. Es sei mit einem Touristenplus von fünf Prozent im Vergleich zu 2012 zu rechnen. Auch die Ausgaben der deutschen Urlauber werden der Vorhersage zufolge um drei Prozent steigen.

Hingegen bleiben deutsche Touristen den Krisenländern in Nordafrika gegenüber auch zwei Jahre nach dem arabischen Frühling skeptisch. Zwar steigen die Urlauberzahlen in Ägypten und Tunesien seit dem vergangenen Jahr wieder. Das Niveau vor den politischen Umwälzungen ist aber noch lange nicht erreicht. Dafür zieht es immer mehr Deutsche auf die Hohe See: Kreuzfahrten im Mittelmeer liegen hoch im Kurs – daran ändert auch der Untergang der „Costa Concordia“ nichts.

Trotz „Costa Concordia“ – Kreuzfahrten sind weiter beliebt

Mehr als 1,5 Millionen Passagiere unternahmen im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt auf „Aida“, „MS Deutschland“ & Co., ein sattes Plus von 11,2 Prozent zum Vorjahr. Trüb sah es hingegen auf den Flüssen aus: Dort ging erstmals seit 2006 die Zahl der Passagiere zurück – um 5,4 Prozent auf knapp 440 000, wie aus der Kreuzfahrt-Analyse des Deutschen Reiseverbands (DRV) hervorgeht, die am Donnerstag auf der weltgrößten Reisemesse ITB vorgestellt wurde.

Trotz dieses Minus konnte die deutsche Kreuzfahrtbranche 2012 insgesamt zulegen: Die Zahl deutscher Kreuzfahrer kratzte an der Zwei-Millionen-Marke – eine Steigerung von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz der Branche kletterte zum ersten Mal über drei Milliarden Euro. Besonders gefragt war das westliche Mittelmeer, bei den Flüssen lag die Donau an der Spitze. Einen deutlichen Einbruch verzeichneten allerdings Kreuzfahrten auf dem Nil – hier sei die Zurückhaltung der Touristen nach den politischen Unruhen in Ägypten zu spüren.

Rund 1,2 Millionen deutsche Urlauber kamen nach Zahlen des ägyptischen Fremdenverkehrsamts im vergangenen Jahr in das Land der Pyramiden und Pharaonen – ein Plus von einem Fünftel gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt zählte Ägypten 11,5 Millionen Touristen aus aller Welt, im Jahr 2010 waren es noch 14,7 Millionen gewesen. In Tunesien zogen die Besucherzahlen nach einer deutlichen Delle 2011 im vergangenen Jahr auf über 5,9 Millionen an, sie blieben aber immer noch fast eine Million unter denen von 2010. Mit 411 828 deutschen Urlaubern verzeichnete das Land ein Plus von 52,2 Prozent.

Die Zuwächse in beiden Ländern sind jedoch nur deshalb so hoch, weil Einbrüche den nordafrikanischen Tourismus im Jahr 2011 extrem hart trafen. Gästezahlen brachen ein, Hotels standen leer. Urlauber hatten Angst vor Gewalt und Terrorismus.

Livebilder von ägyptischen Stränden in Europa sollen Vertrauen wiederherstellen

Für Touristen sei Tunesien sicher, sagte Afif Kchouk vom dortigen Hotelverband. „Es gibt politische Probleme, aber das betrifft die Touristen nicht.“ Auch Ägyptens Tourismusminister Hisham Zazou betonte, Touristen seien willkommen und sicher. Das komme im Ausland oft nicht so an. Um das Bild der Urlauber vom Land zu verbessern, sollen Livebilder von ägyptischen Stränden auf Großbildschirmen in Europa gezeigt werden.

Während Tunesien und Ägypten bereits wieder Touristen anziehen, bleiben diese beispielsweise in Libyen noch vollkommen aus. Derzeit kämen praktisch nur Journalisten und Geschäftsleute ins Land, sagte Mohammed Etorki vom libyschen Außenministerium. Nach dem Öl solle der Tourismus in Zukunft aber einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes werden. (dpa/dtj)