Der Wunsch der Türken nach einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union und die Zustimmung zur NATO kühlte im Laufe der letzten zehn Jahre ähnlich ab.

Nur noch 44% der Türken wollen ihr Land in der EU sehen. Dies geht aus der Transatlantic Trends Umfrage 2013 hervor, die der Deutsche Marshall Fund der Vereinigten Staaten (GMF) am Mittwoch veröffentlichte. Darüber hinaus möchte eine überwältigende Mehrheit, dass die Türkei sich nicht in Syrien engagiert, nur 21% würden eine Beteiligung an einer Militärintervention im bürgerkriegsgeschüttelten Land gutheißen.

Im Zuge dieser Studie wurde die öffentliche Meinung zu ausgewählten Themenbereichen in elf europäischen Staaten, in der Türkei und in den USA erhoben. Dabei zeichnet sich ab, dass der Wunsch der Türken, der EU beizutreten, immer geringer wird. Hatten 2004 noch 73% der Befragten in der Türkei angegeben, eine solche Mitgliedschaft für „eine gute Sache“ zu halten, waren es 2012 nur noch 48 und in diesem Jahr gar lediglich 44%. 34% der Befragten sind entschieden gegen einen Beitritt, im Vergleich zu 29% vor einem Jahr und nur 9% im Jahre 2004.

In den berücksichtigten EU-Ländern wünschen 20% der Befragten einen Beitritt der Türkei, 33% fänden einen Beitritt schlecht und 37% sind indifferent.

Der GMF-Direktor in Ankara, Özgür Ünlühisarcıklı, führte auf einer Pressekonferenz diese Entwicklung darauf zurück, dass es eine wechselseitige Frustration gäbe, bedingt durch die Enttäuschung gegenseitiger Erwartungen und die Tatsache, dass andere Länder in wesentlich kürzerer Zeit aufgenommen wurden.

Der türkische EU-Botschafter Jean-Maurice Ripert bezeichnete den Wert von 44% als nicht so schlecht, allerdings auch nicht als besonders ermutigend. Er wolle den Schwerpunkt auf wirtschaftliche Kooperation und positive Beziehungen zwischen der Türkei und der EU legen.

Mehr Türken wollen eigenständige Sicherheitspolitik

Was die Notwendigkeit der NATO-Mitgliedschaft anbelangt, ist die öffentliche Meinung gespalten. Während 39% die Zugehörigkeit zum westlichen Verteidigungsbündnis für sicherheitspolitisch essenziell halten, waren 39% anderer Meinung. Die NATO-Befürworter verweisen dabei vor allem auch auf die Gemeinsamkeit der Demokraten als Grundlage des Bündnisses. Wie schon in den vergangenen Jahren war die Zustimmung zur NATO in der Türkei die niedrigste von allen Mitgliedsstaaten.

Etwa 70% der NATO-Skeptiker wünschen sich, dass die Türkei auch sicherheitspolitisch ihre eigenen Entscheidungen trifft. 50% (das sind 21% mehr als im Vorjahr!) würden dafür sogar ein Aufstockung des Verteidigungshaushalts in Kauf nehmen, 32% finden, der derzeitige Aufwand würde reichen, um seinen Aufgaben nachkommen zu können, und 15% wollen am Militär sparen.

Insgesamt ist denn Befragten in der Türkei Demokratie im Mittleren Osten und Nordafrika wichtiger als politische Stabilität. Die Mehrheit von 57% jedenfalls stimmte dieser These zu, während 25% die gegenteilige Ansicht verfochten.

Der US-Botschafter in Ankara, Francis J. Ricciardone, betonte die Wichtigkeit der Befragung und sagte: „Die öffentliche Meinung ist etwas, das in Demokratien zählt. Wir haben eine starke transatlantische Community, die eine gemeinsame, die Demokratie wertschätzende Identität hat.“

2013 hatte die Transatlantic Trends Studie zum insgesamt 13. Mal stattgefunden. Sie soll sowohl globale Trends als auch solche aufspüren helfen, die sich aus der Befragung tausender Menschen in elf EU-Staaten, den USA und der Türkei ableiten lassen.

Mehr zur schwierigen Wiederbelebung des EU-Beitrittsprozesses der Türkei und den dadurch belasteten Beziehung zwischen der Türkei und Deutschland hier.