Hört man den Namen Tripoli, so denkt man als erstes an Libyen. Dabei war das libanesische Tripoli der ganze Stolz der Mamluken und Osmanen. Dies ist nicht nur an der Architektur der Stadt hängen geblieben, sondern auch in den Herzen der Menschen. Zum 100. Gedenktag am angeblichen Völkermord gegen die Armenier veranstalteten die Tripolitaner Demonstrationen und hangen überall die türkischen Flaggen an die Balkone. In ihren Augen war es kein Genozid und durfte auch nicht so genannt werden.

Tripoli ist die zweitgrößte Stadt im Libanon und liegt 85 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Beirut. 45 Baustätten in der Stadt, von denen die meisten bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, sind als historische Sehenswürdigkeiten registriert worden. 12 Moscheen aus der mamlukischen und osmanischen Zeit haben neben einer Anzahl von „Madrasas“, theologischen Schulen, überlebt. Außerdem wurden viele „Hammams“ (alte Badehäuser) in Cafés umgebaut und die Souks, alte Bazare, werden immer noch genutzt.

Aufgrund der Reisewarnungen nach Tripoli und den Gerüchten, dass der IS die Stadt übernommen hätte, litt die Tourismusbranche hier besonders darunter. Dem zum Trotz organisierten viele Studenten aus Beirut und anderen libanesischen Städten Ausflüge nach Tripoli und nahmen viele Erasmus-Studenten mit. Auch junge Studenten aus Tripoli organisierten Führungen, um der Welt die vergessenen Kulturgüter und die Schönheit dieser Stadt zu präsentieren.

Als Anfang des Jahres eine osmanische Villa zum Parkhaus umgebaut werden sollte, protestierten die Bewohner Tripolis auf den Straßen. Man hatte etwas dagegen, dass die osmanischen Spuren im Rahmen der Restaurierungsarbeiten auf dem Hamidiyye-Platz verwischt werden sollten. Die Menschen hier sind sehr stolz auf die mehr als 200 Bauwerke aus der osmanischen Zeit.

11897167_1065030033542195_1784087365_n

Geschichte Tripolis

Tripoli wird erstmals lange vor der Geburt Christi erwähnt. Bei den ersten Siedlern handelte es sich um Phönizier, die im 9.Jahrhundert v.Chr. einen Handelsstützpunkt gründeten. Diese kamen aus Sidon, Arados und Tyros und die jeweiligen Bevölkerungsgruppen blieben unter sich, sodass drei Stadtteile entstanden. Daher der Name Tripoli, „drei Städte“.

Nachdem die Stadt 539 v.Chr. unter persische Herrschaft fiel, ging sie 333/332 v.Chr. an Alexander den Großen über. Nach seinem Tod wurde Tripoli schließlich zu einem Teil des Seleukidenreiches. Die Stadt, die für das Römische Reich erobert wurde, ging 636 an die Araber und 1071 an die Seldschuken über. 1289 wurde sie durch die Mamluken erobert, zerstört und schließlich neu gegründet. 1516 eroberte Sultan Selim I. die Stadt und sie wurde zu einem Teil des Osmanischen Reiches. Schließlich kam Tripoli nach dem Ersten Weltkrieg 1920 unter französische Mandatsherrschaft und zu einem Teil des neuen Staates „Großlibanon“.

Zitadelle Saint Gilles

Fragt man nach den Sehenswürdigkeiten von Tripoli, so kommt die Zitadelle als erstes in den Sinn. Sie diente den Kreuzfahrern zur Eroberung und Kontrolle der Stadt. Bekannt ist sie als Qal’at Sinjil (Zitadelle Saint Gilles), die im Laufe der Zeit mehrmals restauriert worden ist. Benannt wurde die Zitadelle nach Raimund Saint Gilles, welcher die Schaffung eines eigenen Fürstentums verfolgte. Bei der Eroberung durch die Mamluken wurde sie fast vollständig zerstört. Dass die Zitadelle heute so aussieht (140 Meter hoch und 70 Meter breit), ist dem osmanischen Gouverneur von Tripoli, Mustafa Agha Barbar, zu verdanken, der sie Anfang des 19. Jahrhunderts restaurieren ließ.

Die Große Moschee

1294 mit dem Bau begonnen und 1315 vollendet, entstand aus den Überresten der einstigen St. Mary Kathedrale die große Moschee. Das Minarett, das vermutlich der Turm der ehemaligen Kathedrale war, weist italienische Baumerkmale auf. Der große Innenhof sowie die Gebetsräume wiederum lassen orientalische Architektur erkennen. Die große Moschee gilt als erstes Bauwerk, das von den Mamluken in Tripoli errichtet wurde.

IMG_6619

11950982_1066748813370317_1454945455_n

Uhrturm im Tall-Bezirk

Der Uhrturm im Bezirk Tall ist einer der osmanischen Überreste. Dieses Gebäude war ein osmanisches Geschenk an Tripoli aus der Zeit Abdulhamids II. 1992 wurde der Uhrturm zur Wiederverwendung restauriert.

11913038_1066748666703665_1730018121_n

Hammam ’Izz ed-Dine

Dieses öffentliche Badehaus wurde der Stadt von seinem damaligen mamlukischen Herrscher ’Izz ed-Dine Aybak gewidmet. Für Aybak, der 1298 verstarb, wurde ein Mausoleum neben dem Hammam errichtet. Auch dieser Hammam entstand aus Überresten der Kreuzritter-Kirche und des Saint-James Hospiz. Das Badehaus wird heute immer noch genutzt.

Khan-as Sabun

Der Khan as-Sabun (Khan der Seifensieder) gehört ebenfalls zu einem der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Tripoli. Dieser entstand im 17. Jahrhundert. Anfangs diente er als Militärbaracke für osmanische Truppen. Als er anschließend leer stand, wurde er zu einer Seifenfabrik umgebaut. Heute kann man die Handarbeiten persönlich mitverfolgen und aromatisierte Seife kaufen.

IMG_6631