Der türkische Premierminister Ahmet Davutoğlu hat am Mittwoch den Beginn der „nationalen Luftfahrt“ in der Türkei angekündigt. Bis 2019 sollen die ersten komplett in der Türkei von türkischen Ingenieuren entwickelte Passagiermaschinen in der Luft sein.

Der erste Schritt hin zur eigenständigen Luftfahrt soll dabei das Modell TRJ-328 darstellen, ein Regionaljet mit einer Höchstgeschwindigkeit von 750 km/h, einer Reichweite von etwa 3700 Kilometern mit einer Kapazität von 32 Personen.

In der nächsten Stufe soll anschließend das Modell TRJ-628 gefertigt und verkehrstauglich gemacht werden. Diese Maschine soll ein noch umfangreicheres Fassungsvermögen aufweisen und bis 2023 startklar gemacht werden.

An der Entwicklung der nationalen türkischen Luftfahrtindustrie hat jedoch auch deutsche Ingenieurskunst zumindest in der Startphase einen Anteil, denn die TRJ-328 weist deutsche Wurzeln auf.

Grundlage der TRJ-328 wird nämlich ein Flugzeugmodell sein, das in Deutschland Ende der 1980er Jahre für den Kurzstreckenverkehr entwickelt wurde. Die „Dornier 328“ wurde damals entwickelt, um die nicht mehr zeitgemäße Dornier 228 zu ergänzen. Im Dezember 1988 wurde mit der Entwicklung der Dornier 328-100 begonnen, der Erstflug erfolgte am 6. Dezember 1991, die Zertifizierung im Oktober 1993.

2002 stellte Fairchild Dornier den Insolvenzantrag

Serienmäßig wurde die Dornier 328 in der Zeit von 1992 bis 2005 hergestellt. Nachdem Dornier 1985 von Daimler-Benz übernommen worden war und in weiterer Folge über den Luft- und Raumfahrtkonzern DASA teilweise in die EADS integriert war, wurde das Unternehmen später von Fairchild übernommen. Diese Firmenhochzeit stand jedoch unter keinem guten Stern: 2002 stellte die Firma Fairchild Dornier Insolvenzantrag.

Da die Maschinen, die Dornier hergestellt hatte, technisch jedoch sehr ausgereift und auf einem hohen Niveau waren, fanden zumindest Teile der Insolvenzmasse das Interesse von Investoren und so nahm sich der türkischstämmige US-Amerikaner und Eigentümer der Sierra Nevada Corporation (SNC), Fatih Özmen, der vor 30 Jahren als in bescheidenen Verhältnissen lebender, kaum Englisch sprechender Einwanderer in den Vereinigten Staaten angekommen war, der Fluggeräte an.

Özmen trat in weiterer Folge als Inhaber der „328 Support Services GmbH“ auf den Markt und erwarb alle Rechte am Kurzstreckenjet „Dornier 328“. In Kooperation mit Fatih Özmen soll nun die TRJ-328, die bewusst mit ihrem Namen auf den deutschen „Vorfahren“ hinweist, als Modifikation der ursprünglichen Maschine hergestellt werden.

TRJ-328 wird im Wege einer breiten Kooperation entwickelt

Diese Modifikation soll unter der Schirmherrschaft eines Konsortiums vonstattengehen, das unter der Führung von STM Defense Technologies arbeiten wird und an dem mehrere nationale türkische Luftfahrtunternehmen beteiligt sind, darunter TAI, Aselsan, Havelsan oder Alp Havacılık. Auf ähnliche Weise wurde auch der Kampfhubschrauber ATAK entwickelt. Auch dort fand erst eine Kooperation mit damit verbundenem Know-how-Transfer statt, ehe türkische Rüstungsunternehmen die Rechte an dem Projekt vollständig erwarben.

Die Dornier 328 war ein je nach Version mit Jet- oder Turboprop-Antrieb ausgestattetes Passagierflugzeug für Kurzstrecken. Sie ist das letzte geflogene Flugzeugmuster, das noch von den ursprünglichen Dornier-Werken geplant und entworfen wurde. Nun lebt die Pionierarbeit, die in die 328er-Maschine gesteckt wurde, im neuen Modell weiter und wird als Inspiration der künftigen nationalen türkischen Luftfahrtindustrie in Erinnerung bleiben.