Der deutsche Ableger von TRT ist auf Sendung. „TRT Deutsch“ sendet seit Mitte Januar in deutscher Sprache aus Berlin. Der Tenor des türkischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist bislang moderat. Heikle Themen werden bislang gemieden. Bleibt das so?

Ein Staat, der weltpolitisch als starker Akteur wahrgenommen werden möchte, internationalisiert seinen öffentlich-rechtlichen Sender. Dieses ungeschriebene Gesetz der internationalen Politik beweisen die „Deutsche Welle“, die US-amerikanische „Voice of America“ oder der russische Propagandasender „RT Deutsch“ vom News-Netzwerk „Russia Today“. Mögen ihre Perspektiven unterschiedlich sein, sie alle eint: der Kampf um die globale Deutungshoheit.

Auch die Türkei darf, nach Ansicht der Mächtigen in Ankara, in diesem Wettkampf der Worte nicht fehlen: Die von türkischen Steuern finanzierte Rundfunkanstalt „TRT“ sendet seit 2015 auf „TRT World“ in englischer Sprache. Seit Mitte Januar hat der türkische Staatssender nun auch einen Ableger in deutscher Sprache, „TRT Deutsch“. Er soll Nachrichten über Deutschland und die Welt aufbereiten. Sofort zogen deutsche Medien Vergleiche zum Kreml-Sender „RT Deutsch“. Zu recht?

Der türkische Blick

Vielleicht, ist wohl die richtige Antwort. Eine erste Bilanz fällt auch nach gut zwei Monaten schwer. Denn: Die allermeisten Texte auf der Website stammen von der Deutschen Presseagentur oder der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. NSU, Gastarbeiter, Coronavirus, Uiguren: Alle Texte haben mehr oder weniger einen Türkeibezug. Kommentare findet man kaum. Anadolu gilt zwar nicht gerade als objektiv.

Dennoch: Im Meinungsressort schreibt eine Reihe von AKP-nahen Autoren. Dazu zählt auch Chefredakteur Kaan Elbir, der aus der Nähe des Bodensees stammt und bislang Beiträge für die Daily Sabah verfasste. Seine Vita sowie die Finanzierung der Seite durch den öffentlich-rechtlichen Sender TRT reicht einigen deutschen Beobachtern für ein vernichtendes Urteil: Die Medienexperten von „Übermedien“ sprechen gar von „türkischer Propaganda mit journalistischem Anstrich“.

Bislang keine Fake News

Dabei spielen politische Themen – insbesondere solche, die im Sinne des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und seiner AKP-dominierten Regierung gefärbt sind, – auf der Website bislang eine untergeordnete Rolle. Und selbst bei aktuellen Themen, wie dem verlustreichen Einsatz der türkischen Armee in Idlib oder der Flüchtlingsfrage, stimmt „TRT Deutsch“ bislang keinen scharfen Ton an. Der türkische Blick ist bislang moderat.

Ist die Angst vor türkischen Fake News aus der Propagandaabteilung des Präsidenten also unberechtigt? Die Antwort lautet: Bislang ja.