ARCHIV: US-Präsident Donald Trump begrüßt am 16.05.2017 den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Weißen Haus in Washington (USA). Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa

von Fakih Kaptan

Das Weiße Haus; Ein vier Augen Gespräch zwischen zwei Staatspräsidenten.

Die Parteien; Recep Tayyip Erdogan und Donald Trump.

Erdogan fordert vom US-Staatspräsidenten die Rückgabe von Fethullah Gülen, doch Trump erwidert, dass Gülen nicht hinter dem Putschversuch vom 15. Juli steckt und er dies nicht machen könne. Daraufhin wütet Erdogan in Richtung Trump und erhebt seine Stimme bedrohlich. Im Gegenzug bedroht Trump den türkischen Staatspräsidenten, er würde mit Gülen im „Rose Garden“ öffentliche Gesprächsveranstaltungen beginnen, sollte sich Erdogan nicht bald zusammenreißen.

Was sich wie aus einem Film lesen lässt, ist auch aus einem Film. Die obige Szene ist nicht aus dem echten Leben, sondern reine Fiktion. Diese Szene hat sich genau so in einer US-Serie abgespielt. Die Tatsache, dass es sich um eine Szene aus einer Serie handelt, wird die Leser der obigen Passage jetzt erstmal ernüchtern. So, als würde man von einem Traum erwachen.

Aber vielleicht ist es doch nicht lediglich ein Szenario einer einfachen fiktiven TV-Produktion. Manchmal bewahrheiten sich Träume. Und in manchen Fällen werden ja Filme dazu genutzt, gewisse diplomatische Messages zu übermitteln.

Dann sehen wir uns diese Eingangs beschriebene Filmszene einmal aus dieser Perspektive an.

Um den tatsächlichen Produzenten mancher Filme und Serien festzustellen, muss man eigentlich Informationen und Zusammenhänge analysieren, die eine Serie vermittelt und nicht bloß darauf schauen, welcher offizielle Name hinter einer Produktion steht.

Deshalb will ich meinen Schluss einmal vorweg nehmen. Die Serie lassen Trump und sein Beraterteam produzieren.

Deshalb ist die Szene zu Beginn eine politische Message, die in der realen Welt einen Adressaten hat.

Trump bereitet die Öffentlichkeit darauf vor, Erdogan endgültig aufzugeben.

Um das zu verdeutlichen nehmen wir eine weitere Szene aus der Serie unter die Lupe.

In der ersten Staffel derselben Serie reist ein US-amerikanischer Trainer zu einem Länderspiel nach Russland. Bei dieser Reise stecken die Russen ein verbotenes Mittel in die Tasche des Trainers und verhaften ihn aufgrund dessen. Der Chef der CIA eilt zu Trump und erläutert, dass es sich bei dem Trainer um einen CIA Agenten handelt und dass er dringend gerettet werden muss. Daraufhin wird der russische Botschafter ins Weiße Haus zitiert und ein Tausch-Deal mit einem in den USA verhafteten russischen Agenten gegen eingefädelt. Doch der Trainer verzichtet auf eine Rückkehr in die USA und es stellt sich heraus, dass er ein Doppelagent war. 

Was ein Zufall. Dieser Vorfall deckt sich mit den, sich zeitgleich abspielenden, Michael Flynn Ermittlungen. Während Flynn an höchster Stelle, quasi direkt mit Trump zusammenarbeitete, soll er laut FBI-Angaben gleichzeitig mit den Russen gemeinsame Sache gemacht haben, die Wahlen in den USA zu manipulieren. Wegen diesen Vorwürfen wurde Flynn aus dem Team von Trump rausgeschmissen und die Schlagzeile: „Die Ratte im Weißen Haus wurde geschnappt“ verbreitet. Also hatte Trump Flynn geopfert, damit die Ermittlungen ihn selber nicht mehr erreichen. Es ist offensichtlich, dass diese Serie die Öffentlichkeit auf diesen Schritt vorbereiten sollte.

So viele Übereinstimmungen in Hollywood und den Handlungen einer US-Regierung können niemals als ein Zufall hingenommen werden. Man könnte Inhalte zu Gunsten des Präsidenten allenfalls als PR-Maßnahmen begreifen. Donald Trumps Image ist bereits in diesem Stadium wegen den Russland- und Wahlen-Ermittlungen deutlich aufgerieben. Da ist es eindeutig, dass das PR-Team von Trump diese Serie als unterstützendes Element einsetzt. Ein Instrument zur Rehabilitierung des Präsidenten.

Und worauf will das Berater-Team von Trump die Bevölkerung mit der anfangs beschriebenen Szene vorbereiten?

Wieder eine augenscheinliche Parallele zwischen den Sets von Hollywood und der politischen Haltung in Washington. Nur eine Woche nach der Veröffentlichung der obigen Szene wurde ein iranisch-türkischer Geschäftsmann in den USA vors Gericht gebracht, damit Dieser im Zeugenstand die türkische Regierung und das Bankensystem der Türkei enorm belastet.

Und zwar nicht Irgendwer, sondern ein Mann, für den die Türkei zum ersten Mal in der Geschichte gleich zwei Verbalnoten an die USA entsendet wurden. Einer, über den Erdogan einst sagte, er sei ein gutmütiger, ordentlicher Geschäftsmann mit dem Herzen am rechten Fleck. Es handelt sich bei dieser Person um keinen Geringeren als Reza Zarrab. Er belastete bislang engste Vertraute Erdogans und einen seiner ehemaligen Minister, den Wirtschaftsminister Zafer Caglayan. Es ist undenkbar, dass Trump und sein Team keine Ahnung von diesem Fall haben und auch nicht bereits berechnen, wohin dieser Prozess am Ende hinziehen wird.

Scheinbar will das Team von Trump bereits jetzt ausschließen, dass sich dieser Fall am Ende auf Donald Trump erstreckt, der ja wegen der Massenschlägerei vor der türkischen Botschaft in den USA und der mutmaßlichen Entführungsaktionen von Fethullah Gülen insgesamt einen schlechten Eindruck hinterlassen hat. Offensichtlich will Trump deshalb bereits im Vorfeld seine Beziehungen zu Erdogan endgültig beenden.

Weil Trump und sein Team das schlechte Ende von Erdogan und der Ära des großen AKP-Führers vorhersehen, wollen sie damit ja nichts zu tun haben. So haben sie als erstes Flynn rausgeschmissen und auch Erdogan ist für sie eine nicht länger zu tragende Last. Die Vorbereitungen, Erdogan zu opfern, laufen also auf Hochtouren.

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