Das von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot für viele Muslime hat am Istanbuler Atatürk-Flughafen für Verwirrung gesorgt. Seit Samstag werde fast zehn Menschen die Reise in die USA verwehrt, berichtete der Sender CNN Türk am Montag. Die meisten von ihnen befinden sich demnach auf der Durchreise. Der Atatürk-Flughafen ist einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte in der Region.

Am Flughafen sei eine zusätzliche Sicherheitskontrolle für in die USA reisende Passagiere eingeführt worden. Steht der Name eines Passagiers auf einer Liste der US-Behörden, dürfe dieser nicht in die USA fliegen. CNN Türk berichtete von einem Iraker, der an der Reise gehindert wurde, dessen Frau und Kind aber das Flugzeug betreten durften.

Trump hatte am Freitag als ein Kernstück seines Anti-Terror-Kampfes einen 90-tägigen Einreisestopp für Menschen aus den mehrheitlich muslimischen Ländern Syrien, dem Iran, dem Irak, dem Sudan, Somalia, Libyen und dem Jemen verfügt. Flüchtlinge aus aller Welt sind für 120 Tage ausgesperrt, jene aus Syrien sogar auf unbestimmte Zeit. Die Verfügung sorgte weltweit für Kritik und chaotischen Szenen an Flughäfen. In mehreren US-Städten protestierten Tausende Menschen gegen das Verbot.

Lob erhielt das Dekret unterdessen von ungewollter, aber zu erwartender Seite: Wie die Washington Post berichtet wird das Einreiseverbot auf IS-nahen Social-Medien-Kanälen als „gesegneter Bann“ gefeiert, der der Terrormiliz neue Rekruten zuführen werde. Er sei ein Zeichen für Islamophobie der USA und werde viele Muslime überzeugen, dass die Vereinigten Staaten sich gegen sie gewendet haben. Im Nachrichtendienst Telegram kursiere eine Meldung von IS-Sympathisanten, wonach Trumps Erlass die Erfüllung einer „Prophezeiung“ des durch einen US-Drohnenangriff getöteten Al-Qaida-Funktionärs Anwar Al-Awlaki sei. Auch der republikanische Senator John McCain wertete das Einreiseverbot als einen Propagandagewinn des IS. (dpa/ dtj)