Tübinger Archäologen überlassen Troja-Lizenz Amerikanern

Tübingen (dpa) –  Die Ausgrabungen werden von 2013 an nicht mehr unter der Leitung des Tübinger Professors Ernst Pernicka stehen.«Wir haben vereinbart, dass 2013 einer der amerikanischen Kollegen die Lizenz beantragt», sagte Pernicka der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte einen Bericht der «Stuttgarter Zeitung» (Freitag).

Pernicka war auf dem Ausgrabungsgelände in der Westtürkei der Nachfolger des 2005 gestorbenen Troja-Ausgräbers Manfred Korfmann. Dieser hatte 1988 erstmals die Grabungslizenz beantragt.

Ein Team um den US-amerikanischen Archäologen William Aylward aus Wisconsin soll 2013 die neue Grabungslizenz bei den türkischen Behörden beantragen. Künftig sollten die US-Spezialisten für die griechisch-römische Zeit großflächig die Unterstadt ausgraben.

«Es macht Sinn, dass die amerikanischen Partner, die das seit 20 Jahren machen, die Leitung übernehmen», sagte Pernicka, der für prähistorische Reste zuständig ist.

Ein anderer Grund für die Übergabe des Staffelstabs sei die Finanznot. Die Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft lief Ende 2009 aus. Pernicka war seitdem auf die Restmittel aus der Troja-Stiftung der Universität Tübingen angewiesen, die aus Spenden und Einnahmen aus Buchverkäufen gespeist worden ist. «Doch jetzt gehen auch diese Mittel aus.»

Pernicka erklärte, er habe für 2012 nochmal die Lizenz beantragt. Doch die Entscheidung der türkischen Behörden stehe noch aus. Das Team komme auch in den Folgejahren womöglich wieder ins Spiel, wenn die US-Kollegen auf prähistorische Reste stoßen. Auch hat der Professor die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er für die Weiterführung des Projekts neue Geldquellen findet.

Kaum ein anderer Ausgrabungsort übt eine solche Faszination aus wie Troja. Mit seinem weltberühmten Epos «Ilias» über den zehn Jahre währenden Trojanischen Krieg schuf der griechische Dichter Homer nicht nur die Grundlage für die europäische Literatur, sondern auch einen Mythos, dessen Kraft bis heute wirkt.

Zwar sehen viele die aus zehn übereinanderliegenden Siedlungsschichten bestehende antike Stadt nahe den Dardanellen als weitgehend erforscht an. Ungeklärt und wissenschaftlich umstritten sind jedoch die Ausdehnung sowie die geopolitische und wirtschaftliche Bedeutung Trojas in der Bronzezeit. Wie viele Bewohner lebten hier zwischen 1700 und 1100 vor Christus? Pernicka und Korfmann haben in den vergangenen Jahren immerhin viele Belege dafür gefunden, dass Troja in der Spätbronzezeit eine ausgedehnte Unterstadt aufwies.