Nachdem das bilaterale Handelsvolumen zwischen der Türkei und Afrika im Jahr 2013 bereits 23,4 Mrd. US-$ erreicht hatte, hofft die Regierung in Ankara auf bis zu 50 Mrd. US-$ im Jahr 2015. Ein ambitioniertes, aber nicht völlig unrealistisches Ziel, lag das bilaterale Handelsvolumen doch 2010 erst bei 16 Milliarden.

Um die Handelsbilanz zu verbessern, wurden im Laufe der vorangegangenen Jahre sowohl in Afrika als auch in der Türkei immer mehr gemeinsame Veranstaltungen mit Businessschwerpunkt abgehalten. Kürzlich hatte beispielsweise der Unternehmerverband TUSKON (Türkische Konföderation von Geschäftsleuten und Industriellen) den Kongress „Türkisch-Westafrikanische Handelsbrücke“ organisiert, im Zuge dessen Hunderte afrikanischer Unternehmer mit ihren Berufskollegen in Bursa zusammengekommen waren.

Auch der Think Tank des Türkisch-Asiatischen Zentrums für Strategische Studien (TASAM) hat für den 24.-25. April in Istanbul eine Veranstaltung organisiert, dessen Leitthema lautet „Sektorielle und finanzielle Transformation in Afrika“. Dabei werden Repräsentanten von insgesamt 25 führenden afrikanischen Institutionen sprechen und die Türkei wird auch Gastgeberin des zweiten Türkisch-Afrikanischen Kooperationsgipfels im November des Jahres sein.

„Anstrengungen wie diese werden mittel- bis langfristig Früchte tragen“, äußerte sich Ufuk Tepebaş, Afrikaspezialist des TASAM, gegenüber der Zeitung „Zaman“.  Tepebaş ist allerdings der Auffassung, das 50-Milliarden-Ziel für 2015 mit Blick auf das bilaterale Handelsvolumen sei nicht realistisch, obwohl der türkisch-afrikanische Handel das Leistungsbilanzdefizit massiv reduzieren könnte.

Kurzfristiges 50-Milliarden-Ziel bleibt umstritten

Der Hauptfaktor bleibe diesbezüglich die starke Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Ausland, speziell mit Blick auf Öl und Erdgas. Die Regierung hofft, das diesjährige CAD auf unter 56 Mrd. US-$ drücken zu können. Das Leistungsbilanzdefizit hält die türkische Wirtschaft anfällig für externe Effekte wie restriktive Geldpolitik. Darunter könne das Wachstum leiden.

Auch die Zentralbank teilte diese These und kündigte bereits im Dezember an, in ihrer Geldpolitik vorsichtig zu bleiben, bis die Inflation sich auf Höhe der eigenen Zielvorstellungen eingependelt habe. Die Regierung in Ankara will die nationale Sparquote von ihrem Rekordtief emporheben und die starke Verschuldung der privaten Haushalte unter Kontrolle bringen.

Zum Ende des Vorjahres wurde auch die Mitgliedschaft der Türkei in der Afrikanischen Entwicklungsbank in Kraft gesetzt, eine Entwicklung, die Hoffnungen dahingehend weckt, dass der Handel mit dem südlichen Kontinent intensiviert werden könnte, haben türkische Anbieter dadurch doch die Möglichkeit, auch an öffentlichen Ausschreibungen für Projekte in afrikanischen Ländern teilzunehmen. Diese Hoffnung unterstreicht auch Tepebaş: „Unsere Mitgliedschaft in der Afrikanischen Entwicklungsbank wird türkischen Anbietern die Tür zu größeren Projekten öffnen.“

Auf dem afrikanischen Markt seien immer noch chinesische Anbieter führend, gefolgt von französischen und italienischen. Türkische Anbieter hätten jedoch auf dem afrikanischen Kontinent einen sehr guten Ruf und würden nun auch ihre Marktforschungsaktivitäten verstärken, meint Tepebaş.

Auch plant die Türkei, in einzelnen strategisch wichtigen Ländern Afrikas Handelszentren zu eröffnen, um die türkischen Exporte nach Afrika anzukurbeln. In nicht allzu ferner Zukunft soll Afrika als signifikanter Markt- und Handelspartner in Erscheinung treten, da seine Wirtschaft relativ schnell wächst. Der Vorhersage des Internationalen Währungsfonds (IMF) zufolge werde das globale Wirtschaftswachstum weltweit im Jahr 2014 nicht mehr als 3,6% betragen, in den entwickelten Ländern sogar nur 2%. Hingegen werden die Entwicklungsländer im Schnitt um 5,1% zulegen, Sub-Sahara-Afrika sogar um 6%.  

Ausbau der diplomatischen Beziehungen zwischen Afrika und der Türkei

Numan Hazar, ein früherer Botschafter und Autor des Buches „Beziehungen zwischen Afrika und der Türkei im Globalisierungsprozess“ glaubt stark an den Erfolg der türkischen Bemühungen in Afrika, insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Handelsbilanzdefizit. „Man wird die positiven Effekte der Mitgliedschaft in der Afrikanischen Entwicklungsbank schon bald bemerken“, so Hazar zu „Zaman“.

Zusammen mit China und Indien ist die Türkei einer der wichtigsten strategischen Partner in Sub-Sahara-Afrika mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 2,6 Mrd. US-$. Hauptziele türkischer Investoren sind dabei Äthiopien mit 1,6 Mrd. US-$., Südafrika mit 500 Mio. und der Sudan mit 250 Mio. US-$. 

Die Zahl der türkischen Botschaften in Afrika, die 2003 erst 12 betragen hatte, ist mittlerweile auf 34 gestiegen. Dabei verfügten 2002 erst elf ständige Vertretungen über einen Handelsdelegierten, mittlerweile sind es 25, davon 17 im südlich der Sahara gelegenen Teil von Afrika. Die Türkei plant demnächst auch die Eröffnung von Handelsdelegationen in Gabun, Niger und der Elfenbeinküste.

Die Turkish Airlines (THY) spielt bei dieser Entwicklung, die mittlerweile 35 Ziele in 24 afrikanischen Ländern ansteuert, eine wichtige Rolle.

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